Zurück auf alten Pfaden
Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom 10. März 2022 und wurde für den Relaunch 2026 redaktionell überarbeitet.
Es war einer dieser Samstage, an denen eigentlich gar nichts Besonderes passiert. Einkäufe erledigt, blauer Himmel, Sonne – und ich fuhr ein bisschen mit dem Auto durch die Gegend. Irgendwann kam ich am Werratalsee vorbei und später durch die Werraaue.
Dort sah ich Läufer.
Nichts Spektakuläres. Menschen, die auf den Rad- und Wanderwegen ihre Runden drehten. Aber ich kannte diese Wege ziemlich genau. Sehr genau sogar.
Sonntags morgens um fünf war ich früher von zu Hause losgelaufen. Durch Eschwege, Richtung Leuchtberge und dann weiter nach Wanfried. Die einfache Strecke waren ungefähr zehn Kilometer, dazu kamen jeweils rund 1,7 Kilometer durch die Stadt. Am Ende standen regelmäßig mehr als 23 Kilometer auf der Uhr.
Sonntag für Sonntag.
Heute klingt das selbst für mich ein bisschen verrückt.
Sonntagmorgen in Wanfried
An einen meiner ersten langen Läufe nach Wanfried kann ich mich noch ziemlich gut erinnern. Nicht etwa, weil ich damals besonders schnell war oder irgendeine persönliche Bestzeit aufgestellt hätte.
Ich musste aufs Klo.
Und zwar dringend.
Als ich über die Werrabrücke lief, sah ich, dass eine Frau gerade die Gaststätte an der historischen Schlagd sauber machte. Die Tür zu den Toiletten war offen. Ich fragte höflich, ob ich sie benutzen dürfe.
Durfte ich.
In den folgenden Wochen musste ich irgendwann gar nicht mehr viel erklären. Wenn sie mich sonntagmorgens über die Brücke kommen sah, grinste sie schon von Weitem. Vermutlich hielt sie mich irgendwann für den Mann aus Eschwege, der jeden Sonntag mehr als zehn Kilometer nach Wanfried läuft, nur um dort aufs Klo zu gehen.
Ganz falsch war das zumindest nicht.
Auf dem Rückweg gab es dann meistens einen Halt beim Bäcker. Meine Bestellung war ziemlich festgelegt: Butterhörnchen, dänische Brötchen, Mehrkornbrötchen und ein Roggenbrötchen für meine Mutter.
Körnerbrötchen mochte sie nicht. Die Körner blieben ihr immer in der Zahnprothese hängen.
Solche Kleinigkeiten sind es, an die ich mich heute noch erinnere.
Nicht an irgendeine Zwischenzeit auf Kilometer 17.
An ein Roggenbrötchen.
So hatte alles einmal angefangen
Als ich an diesem Samstag wieder durch Eschwege fuhr, kam ich auch an Wegen vorbei, auf denen meine Lauferei überhaupt erst begonnen hatte.
Damals war das noch weit entfernt von langen Sonntagsrunden nach Wanfried.
Ich startete von zu Hause, lief am Friedhofspark vorbei und weiter in Richtung Gut Friedrichsruh. Vorne bei der Reittherapie bog ich ab und lief an dem kleinen Haus vorbei, an dem früher immer so viele Katzen herumlagen.
Dann ging es weiter.
Nach 15 Minuten schaute ich auf die Uhr, machte eine möglichst schnittige Wende und lief denselben Weg wieder zurück.
Das war es.
Kein ausgeklügelter Trainingsplan. Keine 20 Kilometer. Keine Wettkämpfe.
15 Minuten hin. Umdrehen. 15 Minuten zurück.
Und jeden Tag kam ich ein kleines Stück weiter.
Irgendwann erreichte ich die Gärten oberhalb des Höhenwegs und konnte über einen Querweg eine richtige Runde daraus machen. Nicht einmal drei Kilometer.
Ich war stolz wie Oskar.
Später wurden daraus längere Runden, Sonntagsläufe, Kraft- und Stabilitätsübungen und irgendwann auch Wettkämpfe. 2013 waren es sogar mehr als 40 Veranstaltungen in einer Saison.
Aber all das kam später.
Am Anfang standen diese 15 Minuten.
Und nun stand ich wieder am Anfang
2022 sah die Sache längst anders aus.
Mein Gewicht war wieder deutlich höher, mein Körper hatte in den Jahren einiges mitgemacht und auch mein Rücken meldete sich regelmäßig. An die alten Strecken erinnerte ich mich trotzdem.
Und ich vermisste sie.
Nicht unbedingt die Wettkämpfe. Auch nicht das Gefühl, unbedingt schneller als beim letzten Mal sein zu müssen. Was mir fehlte, war dieses Unterwegssein. Morgens loszugehen, bevor die Stadt richtig wach war. Die Ruhe auf den Wegen. Das Gefühl, irgendwo anzukommen, weil ich selbst hingelaufen war.
Ich hätte gerne wieder sonntagmorgens den Weg nach Wanfried geschafft und auf dem Rückweg meine Brötchen geholt.
Gut, beim Bäcker hätte ich mich beeilen müssen. Die Öffnungszeiten hatten sich inzwischen geändert.
Man kann nicht alles haben.
Laufschuhe hatte ich jedenfalls genug
Beim Aufräumen stellte ich fest, dass zumindest die Ausrüstung nicht das Problem sein würde.
Asics, Brooks, Hoka, Lunge, On – und irgendwo standen sogar noch Schuhe herum, die ich fast zu schade zum Laufen fand. Eine Sonderedition des Brooks Ghost im Design der Berliner Mauer gehörte dazu.
Andere Menschen sammeln Briefmarken.
Ich offenbar Laufschuhe.
Früher hatte ich mich ziemlich intensiv mit dem Thema beschäftigt und erstaunlich viel davon war noch im Kopf. Ob dieses Wissen 2022 allerdings das größte Hindernis zwischen mir und dem Laufen war, darf bezweifelt werden.
Schuhe hatte ich.
Was noch fehlte, war der erste Schritt.
Also legte ich mir eine Trainingshose zurecht. Dazu meinen quietschorangenen Hoodie, Handschuhe, Socken, Kopfhörer und meine alte Laufuhr.
Der Plan für den nächsten Morgen war bewusst einfach.
Nicht Wanfried.
Nicht 23 Kilometer.
Nicht irgendein Wettkampf.
Ich wollte wieder dort entlanglaufen, wo alles einmal begonnen hatte. Am Friedhofspark vorbei, Richtung Pferdekoppeln und zu dem kleinen Haus, an dem früher die Katzen lagen.
Ob dort noch welche sein würden?
Nach 15 Minuten wollte ich umdrehen.
Mehr musste es für den Anfang nicht sein.
Wanfried konnte warten.
Erst einmal wollte ich wieder los.
Foto: Eigene Bilder + Gemini / Layout: canva PRO und Norbert Beck
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉
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