Die Urlauber waren zurück – das Personal nicht

Im September 2021 war ich wieder an der Nordsee.

Nach Monaten voller Einschränkungen, Regeln und abgesagter Möglichkeiten fühlte sich das erst einmal ziemlich gut an. Menschen waren wieder unterwegs, die Promenaden waren belebt und langsam entstand das Gefühl, dass so etwas wie ein normaler Urlaub wieder möglich sein könnte.

Zumindest draußen.

Sobald man etwas essen wollte, merkte man schnell, dass „wieder geöffnet“ nicht automatisch bedeutete, dass alles wieder so funktionierte wie früher.

Essen gehen war plötzlich Planung

Zu dieser Zeit galten weiterhin Corona-Regeln. Je nach Betrieb musste man Nachweise vorzeigen, Masken tragen und sich auf unterschiedliche Abläufe einstellen.

Damit konnte ich grundsätzlich leben.

Ungewohnt war eher, dass man vorher nie genau wusste, was einen erwartete.

In einem Restaurant wurde beispielsweise eine FFP2-Maske verlangt. Mit der kam ich wegen meines Asthmas damals schlecht zurecht. Also entschied ich mich gegen das Restaurant und suchte weiter.

Das war keine Grundsatzdiskussion über Masken.

Ich wollte schlicht etwas essen.

Was sich zunehmend als anspruchsvoller herausstellte als erwartet.

Für einen Gast lohnt sich der Tisch nicht

Besonders hängen geblieben ist mir eine Situation, bei der ich ungefähr zwanzig Minuten auf einen freien Tisch wartete.

Dann bekam ich sinngemäß erklärt, dass man mich als einzelnen Gast momentan nicht unterbringen wolle.

Der Grund war ziemlich nüchtern: Wenn gleichzeitig Gruppen auf einen Tisch warteten, ließ sich ein Platz mit vier Personen wirtschaftlich besser nutzen als mit einer.

Ich war im ersten Moment ziemlich bedient.

Schließlich wollte ich dort essen und hatte bereits gewartet.

Aus Sicht eines Gastes war das kein besonders schönes Erlebnis.

Mit etwas Abstand konnte ich aber zumindest nachvollziehen, dass hinter solchen Entscheidungen damals mehr steckte als bloße Unfreundlichkeit.

Geöffnet – aber nicht wieder beim alten Zustand

An einem anderen Ort kam ich mit einer Wirtin ins Gespräch.

Sie erzählte mir, wie schwierig es geworden war, ausreichend Personal zu finden.

Während der langen Zeit mit Schließungen, Kurzarbeit und Unsicherheit hatten Beschäftigte sich andere Jobs gesucht. Einige waren anschließend nicht mehr in die Gastronomie zurückgekehrt.

Für ihren Betrieb bedeutete das ganz praktisch: Die Gäste waren wieder da, aber es fehlten Menschen, um sie zu bedienen.

Diese Erklärung ist mir stärker im Gedächtnis geblieben als jede Statistik.

Denn plötzlich bekam das, was ich während des Urlaubs erlebt hatte, einen Zusammenhang.

Restaurants konnten wieder öffnen.

Aber man konnte nicht einfach einen Schalter umlegen und dort weitermachen, wo man vor Corona aufgehört hatte.

Von außen sah vieles schon normal aus

Das Merkwürdige an diesem Urlaub war der Gegensatz.

Am Strand waren Menschen.

Auf den Straßen waren Menschen.

Die Ferienorte fühlten sich teilweise wieder richtig voll an.

Von außen konnte man leicht glauben, die Krise sei für den Tourismus damit weitgehend vorbei.

Hinter den Türen sah das teilweise anders aus.

Ein Restaurant hatte eingeschränkte Öffnungszeiten. Ein anderes konnte nicht alle Tische besetzen. Wieder ein anderes musste überlegen, welche Gäste es mit dem vorhandenen Personal überhaupt bedienen konnte.

Natürlich habe ich in diesem Urlaub nur einzelne Betriebe erlebt.

Ich kann daraus nicht ableiten, dass es überall in Dithmarschen oder an der gesamten Nordseeküste genauso aussah.

Aber für mich war deutlich zu merken, dass die vergangenen anderthalb Jahre Spuren hinterlassen hatten.

Am Ende wollte ich eigentlich nur etwas essen

Rückblickend ist das vielleicht das Absurde an der ganzen Geschichte.

Ich war nicht an die Nordsee gefahren, um die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie zu untersuchen.

Ich wollte Urlaub machen.

Herumlaufen.

An die Küste.

Und gelegentlich etwas Vernünftiges essen.

Gerade deshalb sind mir diese Situationen im Gedächtnis geblieben.

Corona war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur etwas, das in Pressekonferenzen, Verordnungen und Nachrichtensendungen vorkam.

Man konnte die Folgen plötzlich an ganz alltäglichen Dingen sehen.

Zum Beispiel daran, dass ein Restaurant zwar geöffnet hatte, aber niemand da war, der zusätzliche Tische bedienen konnte.

Oder daran, dass ein einzelner Gast plötzlich wirtschaftlich schlechter in den Abend passte als vier.

Die Urlauber waren wieder da.

Das bedeutete aber noch lange nicht, dass alles andere ebenfalls zurückgekommen war.

Und so bestand mein Nordseeurlaub 2021 neben Watt, Wind und Wasser gelegentlich auch aus einer eher ungewöhnlichen Disziplin:

der Suche nach einem Abendessen.


Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meine persönlichen Erfahrungen während eines Aufenthalts an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste im September 2021. Er wurde im August 2026 redaktionell überarbeitet. Die geschilderten Situationen beziehen sich auf einzelne von mir besuchte Betriebe und sind keine allgemeine Bewertung der Gastronomie in Dithmarschen.


Foto: canva PRO / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck

Schreibe einen Kommentar