Die Ernährungs-Docs: Medizin, wie man sie sich wünschen würde

Manchmal schaue ich die „Ernährungs-Docs“ und denke mir: So müsste ein Arztbesuch eigentlich sein.

Da sitzt jemand einem Mediziner gegenüber, bekommt Zeit, wird ausführlich befragt und untersucht. Es wird nicht nur auf ein einzelnes Symptom geschaut, sondern auf Ernährung, Lebensgewohnheiten und die gesamte Situation. Anschließend gibt es einen Plan, weitere Begleitung und nach einigen Monaten wird geschaut, was daraus geworden ist.

Klingt gut.

Fast ein bisschen zu gut.

Die „Ernährungs-Docs“ gibt es seit 2015. Das Konzept ist bis heute ziemlich klar: Menschen mit gesundheitlichen Problemen werden von erfahrenen Medizinern begleitet und bekommen individuelle Ernährungsstrategien an die Hand. Der NDR beschreibt das selbst mit dem Gedanken „Essen als Medizin“.

Dabei gefällt mir an der Sendung vor allem eines: Es wird nicht so getan, als müsste man nur drei Salatblätter richtig herum auf einen Teller legen und anschließend seien sämtliche Probleme erledigt.

Veränderung kann funktionieren. Sie kann aber auch schwierig sein.

Und genau da wird die Sendung für mich interessanter als so manche Vorher-nachher-Geschichte.

Mein Problem liegt gar nicht bei den Ernährungs-Docs

Eigentlich ist meine Kritik an der Sendung gar keine Kritik an den Ärzten.

Eher im Gegenteil.

Wenn ich sehe, wie ausführlich dort gesprochen, untersucht und erklärt wird, entsteht bei mir regelmäßig ein ziemlich banaler Wunsch:

Warum kann medizinische Betreuung nicht häufiger so aussehen?

Natürlich weiß ich, dass ich eine Fernsehsendung sehe. Für eine Produktion können Fälle ausgewählt, Termine organisiert, Untersuchungen vorbereitet und Entwicklungen über einen längeren Zeitraum begleitet werden. Das lässt sich nicht einfach mit einem normalen Termin in einer Hausarztpraxis vergleichen.

Trotzdem zeigt die Sendung etwas, das ich mir von Medizin wünsche: zuhören, Zusammenhänge betrachten, verständlich erklären und anschließend nicht nur mit einem „Wir sehen uns dann irgendwann wieder“ auseinandergehen.

Das Problem ist nur: Eine Fernsehsendung hat dafür andere Voraussetzungen als der medizinische Alltag.

Das Hausboot ist keine normale Arztpraxis

Genau das sollte man beim Zuschauen nicht vergessen.

Die Ernährungs-Docs arbeiten in einem Format, das ausdrücklich auf längerfristige Begleitung ausgelegt ist. Im normalen Gesundheitssystem müssen dagegen sehr viele Menschen versorgt werden, Termine sind begrenzt und ärztliche Zeit ist keine unerschöpfliche Ressource.

Das bedeutet nicht, dass der Hausarzt keine Lust hat zuzuhören oder dass Fachärzte ihre Patienten möglichst schnell wieder vor die Tür setzen möchten.

So einfach ist die Geschichte nicht.

Aber die Möglichkeiten einer Fernsehsendung und die Bedingungen einer normalen Praxis sind nun einmal zwei verschiedene Welten.

Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich an den Ernährungs-Docs gleichzeitig begeistert und ein wenig frustriert.

Sie zeigen eine Form von Medizin, bei der man Zeit hat, genauer hinzusehen.

Und während ich das sehe, denke ich nicht: „Warum sind meine Ärzte nicht genauso?“

Ich denke eher:

Schade, dass unser Alltag solchen Gesprächen nicht immer den Raum gibt, den sie eigentlich verdienen würden.

Trotzdem sehe ich die Sendung gern

Denn trotz dieser Einschränkung halte ich die Ernährungs-Docs für ein interessantes Format.

Nicht, weil eine Fernsehsendung meinen Arzt ersetzen könnte. Das kann und soll sie nicht.

Auch nicht, weil ich jede dort vorgestellte Ernährungsstrategie ungeprüft übernehmen würde. Die Menschen in der Sendung werden wegen konkreter Erkrankungen individuell betreut. Daraus wird keine allgemeingültige Therapie für den Rest der Republik.

Aber die Sendung kann etwas anderes.

Sie kann den Gedanken anstoßen, dass Ernährung bei Gesundheit mehr sein kann als die etwas lustlose Empfehlung, doch bitte weniger Süßigkeiten zu essen. Sie kann Zusammenhänge zeigen, Fragen aufwerfen und vielleicht dafür sorgen, dass man beim nächsten Arzttermin selbst genauer nachfragt.

Mehr würde ich von einer Fernsehsendung auch gar nicht verlangen.

Und sollte mein Hausarzt demnächst trotzdem ein Hausboot mieten und gemeinsam mit mir den Kühlschrank kontrollieren wollen, werde ich natürlich berichten.

Bis dahin bleibt festzuhalten:

Die Ernährungs-Docs zeigen vermutlich nicht den normalen medizinischen Alltag.

Aber vielleicht zeigen sie an manchen Stellen ziemlich gut, wie man ihn sich wünschen würde.


Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 12. Oktober 2021 und wurde im August 2026 redaktionell überarbeitet und auf sachliche Aktualität geprüft. Er beschreibt meine persönliche Wahrnehmung der Fernsehsendung und ist keine medizinische Empfehlung.

Foto: ndr/Die Ernährungs-Docs / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck

1 Kommentar zu „Die Ernährungs-Docs: Medizin, wie man sie sich wünschen würde“

  1. Ganz besonders gute Beiträge in der heutigen Zeit, wo das fast food überall die gesunde Ernährung untergräbt, oft ohne dass die Menschen es merken. aber noch schlimmer ist es, dass man keine Hilfe von den anderen Ärzten bekommt hinsichtlich der Ernährung. Diese wird nicht ernst genommen. Es gibt nur Pillen und Operationen. Ich bin so froh,dass es in dieser Sendung Ärzte gibt, die die Ernährung in den Vordergrund stellen. Mit soviel Fachwissen und praktischen Kenntnissen in der Ausführung! Vielen vielen Dank!!! Eine unglaublich wichtige Sendung für Gesunde! und kranke Menschen!!

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