Was vom Urlaub geblieben ist

Der Urlaub ist seit zwei Wochen vorbei. Normalerweise reicht das locker, damit die Erholung wieder zwischen Arbeit, Terminen und Alltag verschwunden ist.

Diesmal ist etwas anders.

Friedrichskoog war für mich nicht einfach nur zwei Wochen Nordsee. Ich war viel draußen, bin herumgelaufen, habe auf dem Deich gesessen, Menschen getroffen, die ich lange nicht gesehen hatte, und mich zwischendurch mit Dingen beschäftigt, die überhaupt keinen Zweck erfüllen mussten.

Manchmal habe ich einfach nichts gemacht.

Das klingt ziemlich unspektakulär. Für mich war es das nicht.

Mein Alltag kannte lange vor allem eine Richtung: weitermachen. Wenn eine Sache lief, konnte man schließlich noch eine zweite anfangen. Oder eine dritte. Vielleicht auch vier gleichzeitig, damit garantiert keine Langeweile aufkommt.

Nein sagen gehörte ebenfalls nicht unbedingt zu meinen besonderen Talenten.

Im Urlaub habe ich gemerkt, wie gut es tut, nicht jedes Problem zu meinem eigenen zu machen.

Eine halbe Stunde kann erstaunlich viel sein

Etwas davon habe ich tatsächlich mit nach Hause genommen.

Ich plane inzwischen bewusst Zeiten ein, in denen nichts passieren muss. Am Wochenende können das ein paar Stunden sein. Im Alltag reicht manchmal schon die letzte halbe Stunde vor dem Schlafengehen.

Kein Projekt. Kein „Das könnte ich noch schnell erledigen“. Einfach sitzen, den Tag vorbeiziehen lassen und langsam einen Gang zurückschalten.

Seitdem schlafe ich besser und fühle mich erholter.

Vielleicht hätte ich auf diese vollkommen revolutionäre Idee auch früher kommen können.

Aber manche Dinge muss man offenbar erst auf einem Deich lernen.

Bewegung findet nicht nur beim Training statt

Auch beim Thema Bewegung hat sich mein Blick etwas verändert.

Ich könnte mir natürlich jeden Tag ein bestimmtes Schrittziel auf die Stirn tätowieren und anschließend nervös werden, wenn abends noch 250 Schritte fehlen.

Mache ich nicht.

Wenn ich zu Fuß zur Arbeit gehe, kommen allein auf Hin- und Rückweg einige Tausend Schritte zusammen. Manchmal führt der Weg noch zum Bäcker, über den Wochenmarkt oder durch einen Park. An Trainingstagen wird aus dem direkten Heimweg auch schon einmal eine längere Runde.

Damit ist Bewegung plötzlich nicht mehr nur etwas, das zu einer bestimmten Uhrzeit auf einem Trainingsplan steht.

Sie passiert im Alltag.

Natürlich schaue ich weiterhin auf meine Schritte. Aber ob eine Uhr am Ende 7.800 oder 8.100 anzeigt, entscheidet nicht darüber, ob der Tag gelungen ist.

Zumal so eine Uhr auch nicht allwissend ist. Wer beispielsweise einen Einkaufswagen schiebt, kann sich bewegen, ohne dass jeder Schritt sauber gezählt wird.

Die Zahl ist also eine Orientierung.

Mehr nicht.

Vor einigen Monaten sah das noch anders aus

Was mir dabei Mut macht, ist der Vergleich zum Jahresanfang.

Damals konnte es schon schwierig sein, aus dem Auto auszusteigen und einen Briefkasten zu erreichen, der vielleicht fünfzig Schritte entfernt stand.

Heute kann ich wieder eine Stunde am Stück auf den Beinen sein.

Mein Trainingsprogramm ist dabei ziemlich unspektakulär. Bequeme Schuhe, Kleidung, in der ich mich bewegen kann, kleine Hanteln, Zugbänder, Matte, Sitzball und Handtuch.

Kein halbes Fitnessstudio im Wohnzimmer.

Vier bis fünf Einheiten plant meine Trainerin mir in der Woche ein. Die Übungen sind für mich machbar und ich habe das Gefühl, dass tatsächlich etwas passiert.

Sogar an meinen Armen kann ich inzwischen wieder erkennen, dass dort Muskeln wohnen.

Sie waren offenbar nur längere Zeit sehr zurückhaltend.

Vom Laufen bin ich noch ein gutes Stück entfernt.

Aber es geht voran.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich koche wieder

Eine andere Sache, die zurückgekommen ist, ist die Freude am Kochen.

Früher habe ich gerne ausprobiert, Rezepte verändert und geschaut, was dabei herauskommt. Irgendwann wurde Essen immer stärker zu etwas, das funktionieren musste.

Jetzt experimentiere ich wieder.

Nicht mit komplizierter Sterneküche, sondern mit einfachen Dingen. Frisches Gemüse, saisonale Zutaten, Rezepte etwas vereinfachen oder Zutaten austauschen, wenn mir eine andere Variante besser bekommt.

Wirsing statt irgendeines anderen Kohls. Hähnchenhack statt Rind oder Schwein. Weniger Fett, wenn es auch ohne funktioniert.

Am Ende soll es schmecken, relativ schnell gemacht sein und mir guttun.

Auch mein Tagesablauf beim Essen ist wieder regelmäßiger geworden.

Ich frühstücke.

Das klingt ebenfalls nicht nach einer weltbewegenden Meldung, aber bei mir war ein richtiges Frühstück seit Jahren eher die Ausnahme. Inzwischen beginnt der Tag mit meinem frisch gemahlenen Kaffee und meistens selbstgebackenem Brot oder einem Müsli.

Mittags gibt es etwas im Büro, abends meist nur noch etwas Kleines.

Und die üblichen Süßigkeiten für zwischendurch sind weitgehend verschwunden. Stattdessen liegt eben ein Apfel oder Kohlrabi in der Tasche.

Selbst der Zucker im Tee verabschiedet sich langsam.

Offenbar kann man Gewohnheiten tatsächlich verändern, ohne vorher eine feierliche Pressekonferenz einzuberufen.

Die Waage hat es ebenfalls bemerkt

Inzwischen bin ich wieder unter 160 Kilo.

Darüber freue ich mich.

Natürlich.

Trotzdem möchte ich mich nicht allein an dieser Zahl festhalten. Gerade die letzten Monate haben mir gezeigt, dass sich auch andere Dinge verändern können, bevor die Waage daraus eine große Meldung macht.

Ich bewege mich mehr. Ich kann wieder länger auf den Beinen sein. Ich schlafe besser. Mein Alltag fühlt sich an manchen Stellen strukturierter an.

Das sind für mich ebenfalls Fortschritte.

Es gibt trotzdem eine Baustelle

So schön diese Entwicklung ist, gesundheitlich ist längst nicht alles geklärt.

Meine Magenprobleme begleiten mich schon seit einigen Jahren. Flüssigkeit und Essen scheinen zeitweise lange im Oberbauch zu liegen, dort entsteht Druck und manchmal wird es richtig schmerzhaft.

Bisher ist nicht geklärt, was dahintersteckt.

Immerhin soll nun weiter untersucht werden. Genau das ist mir wichtig, denn einfach weiter ignorieren möchte ich die Beschwerden nicht.

Sie gehören momentan genauso zu meinem Alltag wie Training, Gewichtsverlust und die anderen positiven Veränderungen.

Es läuft also nicht plötzlich alles perfekt.

Das wäre vermutlich auch etwas viel verlangt.

Ich möchte nicht wieder sechs Jahre warten

Vielleicht ist das Wichtigste, was ich aus Friedrichskoog mitgebracht habe, deshalb gar keine konkrete Gewohnheit.

Es ist die Erinnerung daran, wie gut mir diese zwei Wochen getan haben.

Draußen sein. Bewegung. Ruhe. Andere Umgebung. Mal nicht ständig fünf Dinge gleichzeitig im Kopf haben.

Ich möchte wieder an die Nordsee.

Und diesmal werde ich nicht wieder sechs Jahre warten.

Vielleicht wird es irgendwann sogar mehr als ein Urlaub. Der Gedanke, eines Tages dort zu leben, ist noch ziemlich weit entfernt.

Aber träumen darf man schließlich.

Im Moment reicht mir erst einmal etwas anderes:

Der Urlaub ist vorbei.

Was er verändert hat, offenbar noch nicht.

Foto: Norbert Beck / Layout: canva PRO und Norbert Beck

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