Warum ich immer wieder in Erfurt lande

Wenn ich zwischen Kassel, Göttingen und Erfurt wählen soll, lande ich erstaunlich oft bei Erfurt.

Das ist geografisch nicht unbedingt die logischste Entscheidung.

Kassel liegt näher. Göttingen ist für mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfacher erreichbar. Erfurt bedeutet mehr Strecke, mehr Planung und je nach Verkehr auch mal die eine oder andere Baustelle.

Trotzdem fühlt sich Erfurt für mich oft näher an.

Nicht auf der Landkarte.

Sondern persönlich.

Eine Stadt, die immer wieder auftauchte

Meine Verbindung zu Erfurt ist nicht durch einen einzigen besonderen Besuch entstanden.

Die Stadt ist über Jahre immer wieder in meinem Leben aufgetaucht.

Ich hatte dort meinen Lungenarzt. Meine Trainerin kommt aus Erfurt. Ich habe mich dort mit einer alten Lauffreundin getroffen.

Dazu kamen ganz normale Besuche.

Einkaufen.

Essen gehen.

Durch die Stadt laufen.

Mal ein bestimmtes Ziel haben und mal einfach schauen, wo man landet.

So ist Erfurt für mich irgendwann nicht mehr nur eine Stadt geworden, in die ich gelegentlich fahre.

Es wurde ein Ort, mit dem ich Erinnerungen verbinde.

Warum Kassel und Göttingen es schwerer haben

Kassel kenne ich seit meiner Kindheit.

Früher war das für mich die Stadt, in die man fuhr, wenn etwas Besonderes anstand.

Diese Bedeutung hat sich mit der Zeit verändert.

Vieles, was mich früher nach Kassel gezogen hätte, finde ich heute auch anderswo. Dazu kommt, dass ich die Stadt inzwischen einfach anders wahrnehme als früher.

Göttingen mag ich in mancher Hinsicht sogar lieber.

Die Innenstadt ist kompakter, ich finde dort interessante kleinere Läden und komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut hin.

Gleichzeitig ist Göttingen für mich aber auch mit persönlichen Erfahrungen verbunden, die nicht nur positiv sind.

Das alles macht weder Kassel zu einer schlechten noch Göttingen zu einer uninteressanten Stadt.

Es erklärt nur, warum ich mich oft für Erfurt entscheide.

Erfurt verlangt ein bisschen mehr Weg

Wer vom Bahnhof Richtung Dom läuft, merkt schnell: Erfurt macht es einem nicht unbedingt bequem.

Da kommt schon etwas Strecke zusammen.

Und dann gibt es noch die kleinen Straßen und Gassen, in denen man sehr erfolgreich weitere Meter sammeln kann, obwohl man eigentlich nur kurz irgendwo hinwollte.

Früher hätte ich darüber wahrscheinlich weniger nachgedacht.

Heute merke ich solche Wege stärker.

Vielleicht gefällt mir Erfurt deshalb inzwischen sogar noch einmal anders.

Die Stadt zwingt mich ein bisschen dazu, unterwegs zu sein.

Nicht als sportliche Übung.

Sondern weil zwischen Bahnhof, Krämerbrücke, Domplatz und den kleinen Läden eben Bewegung liegt.

Orte werden durch Erinnerungen interessant

Natürlich hat Erfurt genug Dinge, die man sich anschauen kann.

Dom und Severikirche.

Die Krämerbrücke.

Den Petersberg.

Die Altstadt.

Aber solche Aufzählungen erklären nicht, warum ich gerne zurückkomme.

Für mich sind andere Dinge wichtiger.

Zum Beispiel die Figuren des Kinderkanals, die überall in der Innenstadt stehen.

Eine davon ist für mich nicht einfach nur irgendeine Fotomöglichkeit.

Bei Maus und Elefant habe ich mich einmal mit einer alten Lauffreundin getroffen.

Seitdem ist das für mich nicht mehr nur eine Skulptur.

Es ist ein Treffpunkt mit Erinnerung.

Genau solche Kleinigkeiten machen Städte persönlich.

Und dann wäre da noch die Krämerbrücke

Die Krämerbrücke mag ich sowieso.

Nicht nur, weil sie zu den bekanntesten Orten Erfurts gehört, sondern weil man dort immer wieder kleine Läden entdeckt, die eben nicht aussehen wie die immer gleiche Einkaufsstraße.

Bei einem meiner Besuche entdeckte ich dort sogar einen Laden speziell für Linkshänder.

Für einen kurzen Moment war ich mir ziemlich sicher, dass Ned Flanders jeden Augenblick hinter dem Tresen auftauchen müsste.

Tat er nicht.

Erfurt war trotzdem nicht enttäuschend.

Nicht die schönste Stadt der Welt

Wenn mich jemand nach meiner Lieblingsstadt überhaupt fragen würde, wäre meine Antwort wahrscheinlich eine andere.

Hamburg spielt da bei mir noch einmal in einer eigenen Liga.

Aber darum geht es gar nicht.

Erfurt muss für mich nicht die schönste, größte oder spannendste Stadt Deutschlands sein.

Ich fahre gerne hin, weil die Stadt inzwischen mit meinem eigenen Leben verbunden ist.

Mit Menschen.

Mit Terminen.

Mit Laufen.

Mit Essen.

Mit kleinen Erinnerungen.

Und mit dem Gefühl, dass ich dort fast immer noch irgendeine Ecke finde, die ich beim letzten Mal nicht gesehen habe.

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Kassel kenne ich.

Göttingen kenne ich.

Erfurt möchte ich immer noch weiter kennenlernen.

Und deshalb führt mein Weg am Ende erstaunlich oft ein Stück weiter nach Osten.


Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf Erfahrungen aus mehreren Besuchen in Erfurt über viele Jahre hinweg. Er wurde im August 2026 redaktionell überarbeitet. Es handelt sich nicht um einen Reiseführer, sondern um meine persönliche Verbindung zu dieser Stadt.

Foto: canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck

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