Im Frühsommer 2023, kurz vor dem Johannisfest in Eschwege, stand plötzlich ein neuer Opel e-Corsa vor mir. Mein erster Stromer. Gekauft hatte ich ihn damals ganz bewusst nicht. Ich wollte erst einmal wissen, ob Elektromobilität in meinem Alltag überhaupt funktioniert.
Also Leasing. Drei Jahre ausprobieren, Erfahrungen sammeln und anschließend entscheiden. Wenn sich herausstellt, dass das alles eine wunderbare Idee für Menschen mit Eigenheim, Wallbox und einem vollkommen anderen Leben ist, gehen die Schlüssel eben zurück.
Nun sind die drei Jahre vorbei.
Die Schlüssel gehen nicht zurück.
Der Vertrag ist unterschrieben, die Finanzierung steht und der Kleine darf bleiben.
Aus einem Versuch wurde mein Auto
Das Interessante daran ist für mich weniger, dass ich heute ein Elektroauto kaufe. Interessanter finde ich, dass ich das nach drei Jahren Alltagserfahrung mache. 2023 hatte ich noch genügend Fragezeichen im Kopf. Was macht die Batterie? Wie nervig wird das Laden? Komme ich mit der Reichweite klar? Und funktioniert so ein Auto überhaupt, wenn man wie ich keine eigene Wallbox vor der Haustür hat?
Heute kann ich zumindest diese Fragen für mich beantworten.
Nicht alle Antworten sind begeistert.
Gerade im Winter zeigt ein Elektroauto ziemlich zuverlässig, dass Prospektwerte und Alltag zwei verschiedene Dinge sind. Reichweite und Ladegeschwindigkeit können bei Kälte deutlich weniger Spaß machen. Als Laternenparker kann ich außerdem nicht einfach abends den Stecker in die heimische Wand stecken und morgens mit vollem Akku losfahren. Ich bin auf öffentliche Ladepunkte angewiesen – und deren Verfügbarkeit ist gelegentlich eine eigene kleine Abenteuerreise.
Wenn Ladepunkte wegen Veranstaltungen nicht erreichbar sind oder ein Verbrenner eine Ladesäule als besonders exklusiven Parkplatz entdeckt hat, steigt meine Begeisterung nicht unbedingt.
Aber ich habe in diesen drei Jahren auch festgestellt: Es funktioniert trotzdem.
Die Reichweite reicht – mir jedenfalls
Die große Frage war natürlich die Langstrecke. Ein kleines Elektroauto ist schließlich nicht unbedingt das Fahrzeug, bei dem Menschen zuerst an lange Reisen denken.
Für mich wurde die Fahrt zur Reha in die Eifel zum ziemlich guten Test. Dafür brauchte der Corsa einen Ladestopp. Das war es.
Natürlich dauert eine solche Fahrt damit anders als mit einem Auto, das theoretisch 700 Kilometer durchfahren könnte. Nur gehöre ich inzwischen sowieso nicht mehr zu den Menschen, die möglichst lange ohne Pause am Lenkrad kleben wollen. Irgendwann möchte ich raus, mich bewegen, etwas trinken oder schlicht nicht mehr sitzen.
Dann kann in dieser Zeit auch das Auto laden.
Das heißt nicht, dass ich plötzlich jede Kritik an Elektroautos für Unsinn halte. Es bedeutet nur, dass ich nach drei Jahren ziemlich genau weiß, ob die Einschränkungen dieses Autos für mich ein Problem sind.
Und offenbar sind sie das nicht.
Was mich am Leasing inzwischen mehr nervt als das Laden
Ein anderer Punkt hat mit Elektromobilität eigentlich gar nichts zu tun: die Kilometer.
Mein Leasingvertrag war auf 10.000 Kilometer im Jahr ausgelegt. Damit fährt im Hinterkopf immer ein kleiner Taschenrechner mit. Wie viele Kilometer habe ich noch? Was kommt dieses Jahr noch? Passt der nächste Ausflug noch bequem hinein?
Natürlich kann man Mehrkilometer bezahlen. Trotzdem gefällt mir dieser Gedanke nicht besonders. Ein Auto steht schließlich vor der Tür, damit ich damit irgendwohin fahren kann. Wenn ich vor einem Ausflug erst anfange zu überlegen, ob mir die Kilometer dafür zu schade sind, läuft etwas schief.
Gerade beim Landpiraten wäre ein Auto, das mich gedanklich vom Losfahren abhält, ohnehin eine ziemlich schlechte Konstruktion.
Mit dem Kauf verschwindet dieser kleine Kilometerzähler im Kopf. Wenn ich irgendwohin möchte, fahre ich. Vorausgesetzt natürlich, der reale Kontostand findet die Idee ebenfalls sympathisch.
Neu ist nicht automatisch besser
Nach drei Jahren kenne ich den Corsa inzwischen ziemlich gut. Ich weiß, was ich an ihm mag, und ich kenne seine Macken. Das Infotainment gehört beispielsweise nicht zu den Dingen, wegen derer ich nachts glücklich aufwache. Android Auto erledigt für mich vieles angenehmer.
Auch deshalb reizt mich ein neues Auto im Moment wenig. Nur weil nach drei Jahren ein Leasingvertrag endet, muss das vorhandene Auto nicht plötzlich schlecht geworden sein.
Der Corsa macht das, was ich von ihm brauche. Er ist klein genug für die Stadt, angenehm zu fahren und ich habe mich längst an das ruhige elektrische Fahren gewöhnt. Vor allem kenne ich ihn.
Warum sollte ich ihn also gegen das nächste Experiment austauschen?
Ein bisschen Technikspielerei bekommt er trotzdem noch. Ich möchte ihn mit einem OVMS-Modul erweitern und mich damit unabhängiger von der bisherigen Hersteller-App machen. Das ist dann allerdings eine eigene Geschichte für „Ausprobiert“. Denn bevor ich behaupte, dass damit alles besser funktioniert, sollte das Ding erst einmal zeigen, was es kann.
Und jetzt?
2023 war der e-Corsa für mich ein Versuch.
2026 kaufe ich genau dieses Auto.
Nicht weil Elektromobilität für jeden Menschen die perfekte Lösung wäre. Nicht weil es keine Probleme mit Reichweite, Winter oder Ladeinfrastruktur gäbe. Und schon gar nicht, weil ich nach drei Jahren zum Missionar für elektrische Kleinwagen geworden bin.
Er bleibt aus einem wesentlich einfacheren Grund:
Für mein Leben funktioniert er.
Mehr muss ein Auto eigentlich nicht schaffen.
Und nachdem die Sache mit den Leasingkilometern erledigt ist, bekommt der Kleine demnächst auch eine Aufgabe, die bei meinen Autos irgendwie dazugehört.
Es geht an die Nordsee.
Diesmal ohne Taschenrechner im Hinterkopf.
Bildinformationen:
Foto: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro