Als ein Kilometer plötzlich wieder möglich war

Anfang 2021 war ein Kilometer zu Fuß für mich keine kleine Runde.

Ein Kilometer war weit.

So weit, dass ich mir damals kaum vorstellen konnte, einfach loszugehen und diese Strecke ohne größere Probleme zurückzulegen. Ein paar Monate später stand ich im Urlaub plötzlich vor einer ganz anderen Frage:

Wie weit laufen wir heute eigentlich noch?

Das klingt nicht besonders spektakulär. Für mich war es das aber.

Denn zwischen diesen beiden Punkten lag mehr als nur eine Zahl auf der Waage.

Plötzlich gingen wieder Wege

Im Urlaub merkte ich ziemlich deutlich, dass sich etwas verändert hatte.

Wir waren unterwegs, liefen durch Orte, machten Spaziergänge und legten Strecken zurück, über die ich einige Monate vorher vermutlich nicht einmal ernsthaft nachgedacht hätte.

Sogar eine Alpaka-Wanderung war dabei.

Nein, ich habe das Alpaka nicht getragen.

Das wäre vermutlich auch für das Alpaka eine unnötige Eskalation gewesen.

Aber ich war unterwegs. Zu Fuß. Und genau das war zu diesem Zeitpunkt alles andere als selbstverständlich.

Natürlich spielte dabei auch mein Gewicht eine Rolle. Bis dahin hatte ich ungefähr 40 Kilogramm abgenommen. Weniger Gewicht bedeutete für mich ganz praktisch weniger Belastung bei jedem einzelnen Schritt.

Aber interessanter als die Zahl war das, was dadurch wieder möglich wurde.

Ich konnte wieder irgendwo hinlaufen, statt vorher darüber nachzudenken, ob der Weg vielleicht zu weit ist.

Früher war Bewegung etwas anderes

Dabei war Bewegung für mich nicht immer etwas Besonderes gewesen.

Es gab Zeiten, da gehörte Laufen ganz selbstverständlich zu meinem Leben. Ich nahm an Wettkämpfen teil und kam zeitweise auf fast 40 Veranstaltungen innerhalb eines Jahres.

Darum wäre es einfach gewesen, mich 2021 ständig mit diesem früheren Ich zu vergleichen.

Wie schnell war ich einmal?

Wie weit konnte ich laufen?

Wann komme ich endlich wieder dahin?

Aber genau dieser Vergleich hätte mir wenig gebracht.

Mein Ausgangspunkt war ein anderer geworden.

Wenn ein Kilometer zu Fuß wieder ein Erfolg ist, muss man nicht gleichzeitig darüber diskutieren, warum daraus noch kein Halbmarathon geworden ist.

Mein Ziel war nicht mehr möglichst weit

Trotzdem hatte ich natürlich Ziele.

Ich wollte wieder laufen können.

Aber ich hatte nicht mehr vor, möglichst viele Wettkämpfe in einen Kalender zu quetschen oder irgendwelchen Bestzeiten hinterherzulaufen.

Eine Vorstellung gefiel mir viel besser:

Irgendwann wieder ungefähr eine Stunde locker laufen können.

Nicht kriechen.

Nicht anschließend aussehen wie ein Nilpferd nach einer missglückten Ballettstunde.

Einfach laufen. In einem Tempo, das sich vernünftig anfühlt, und danach noch das Gefühl haben, dass das eine gute Idee gewesen ist.

Ob und wann ich dieses Ziel erreichen würde, wusste ich damals nicht.

Das war auch nicht der entscheidende Punkt.

Entscheidend war, dass ich überhaupt wieder darüber nachdenken konnte.

Die kleinen Dinge waren plötzlich nicht mehr klein

Bei körperlicher Veränderung schaut man schnell auf große Zahlen.

Gewicht. Kilometer. Geschwindigkeit. Trainingsdauer.

Dabei merkt man manchmal erst im Alltag, was sich tatsächlich verändert.

Ein Weg, den man vorher vermieden hätte.

Ein Spaziergang, bei dem man nicht ständig nach der nächsten Möglichkeit zum Hinsetzen sucht.

Ein Ausflug, bei dem die erste Frage nicht mehr lautet, wie weit man vom Parkplatz wegmuss.

Solche Dinge tauchen in keiner Ergebnisliste auf.

Für mich waren sie trotzdem wichtiger als irgendeine sportliche Statistik.

Denn Bewegung bedeutete dadurch wieder etwas anderes.

Nicht Training.

Nicht Disziplin.

Nicht die nächste Aufgabe auf einer Liste.

Sondern die Möglichkeit, irgendwo hinzugehen.

Damals wollte ich noch viel Gewicht verlieren

2021 hatte ich auch beim Gewicht noch ein sehr großes Ziel vor Augen. Nach den bereits verlorenen rund 40 Kilogramm wollte ich noch deutlich weiter abnehmen.

Das war mein damaliger Stand.

Heute würde ich diesen alten Text deshalb nicht einfach unverändert stehen lassen. Ziele verändern sich, gesundheitliche Situationen verändern sich und manchmal verändert sich auch der Blick darauf, was überhaupt ein sinnvoller Fortschritt ist.

Was von diesem Beitrag geblieben ist, ist für mich ohnehin etwas anderes.

Ich hatte angefangen, wieder Wege zurückzuerobern.

Erst einen Kilometer.

Dann mehr.

Und irgendwann bestand Bewegung nicht mehr nur aus der Frage, was mein Körper gerade nicht kann.

Sondern wieder daraus, wohin ich eigentlich gehen möchte.


Hinweis: Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2021 und wurde im August 2026 redaktionell überarbeitet. Zahlen, Ziele und Einschätzungen im Text beziehen sich auf meinen damaligen Stand. Der Beitrag beschreibt meine persönliche Erfahrung und ist keine medizinische oder sportliche Empfehlung.

Foto: Norbert Beck / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck

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