Ich wollte eigentlich nur wissen, wann der nächste Vollmond ist.
Keine Analyse der Mondoberfläche, keine Berechnung irgendwelcher Umlaufbahnen und auch keinen Einführungskurs in Astronomie. Ich brauchte schlicht ein Datum, weil bei Pokémon Go einige Entwicklungen nur bei Vollmond möglich sind und ich mir den nächsten Termin in den Kalender schreiben wollte.
Dafür hatte ich Gemini beziehungsweise den Sprachassistenten von Google zur Verfügung. Eine künstliche Intelligenz sollte mit einer solchen Frage schließlich nicht überfordert sein.
Dachte ich.
Wann ist der nächste Vollmond?
Also fragte ich nach dem nächsten Vollmond.
Die erste Antwort führte mich zum 17. Oktober 2024.
Das war grundsätzlich ein schönes Datum. Es hatte nur einen kleinen Nachteil: Zum Zeitpunkt meiner Frage war es bereits ungefähr zwei Monate vorbei.
Also erklärte ich meinem digitalen Gesprächspartner noch einmal, dass ich tatsächlich den nächsten Vollmond meinte und nicht einen, den ich nur noch mit einer gut funktionierenden Zeitmaschine erreichen könnte.
Gemini entschuldigte sich und korrigierte die Antwort.
Der nächste Vollmond sei am 15. Dezember 2024.
Schon besser.
Leider stellte ich die Frage am 17. Dezember.
Ich wies also erneut darauf hin, dass auch dieser Vollmond inzwischen Vergangenheit war. Nun musste Gemini nur noch einen einzigen gedanklichen Schritt machen: Wenn der letzte Vollmond vorgestern war, wann kommt der nächste?
Die Antwort war bemerkenswert.
2024 gebe es keinen weiteren Vollmond mehr. Der nächste sei erst irgendwann 2025.
Das war zwar technisch betrachtet nicht vollkommen falsch. Nach dem 15. Dezember war für 2024 tatsächlich Schluss. Nur hatte ich weiterhin nach einem Datum gefragt.
An diesem Punkt beendete ich unsere gemeinsame Mondmission.
Die gute alte Google-Suche übernimmt
Ich machte anschließend etwas geradezu Altmodisches.
Ich öffnete die normale Google-Suche und suchte selbst nach dem nächsten Vollmond.
Die Sache war erstaunlich schnell geklärt: Auf den Vollmond vom 15. Dezember 2024 folgte der nächste am 13. Januar 2025. NASA-Unterlagen bestätigen beide Termine.
Datum gefunden.
Von Hand in den Kalender eingetragen.
Ich wollte das Schicksal nicht unnötig herausfordern.
Damit war mein eigentliches Problem gelöst. Für Pokémon Go wusste ich nun, wann der nächste Vollmond anstand, und Gemini konnte sich wieder schwierigeren Dingen widmen. Vielleicht der Frage, warum der Mond nicht einfach auf meinen Kalender Rücksicht nimmt.
Das eigentlich Interessante war nicht der Fehler
Natürlich kann man sich darüber lustig machen, dass ein KI-System bei einer so einfachen Frage mehrfach danebenliegt. Habe ich ja gerade getan.
Interessanter finde ich aber etwas anderes.
Gemini hatte nicht einfach gesagt: „Ich weiß es nicht.“ Stattdessen bekam ich Antworten, die zunächst vollkommen brauchbar klangen. Die genannten Daten waren ja nicht frei erfunden. Am 15. Dezember 2024 war tatsächlich Vollmond.
Nur beantwortete das eben nicht meine Frage.
Genau das macht solche Systeme für mich gleichzeitig nützlich und gefährlich bequem. Eine Antwort kann sehr überzeugend formuliert sein und trotzdem am eigentlichen Problem vorbeigehen. Wenn ich selbst keine Ahnung vom Thema habe und nicht nachprüfe, merke ich das möglicherweise gar nicht.
Bei einem Pokémon-Termin hält sich der Schaden in Grenzen.
Bei anderen Themen möchte ich mich darauf lieber nicht verlassen.
Trotzdem benutze ich KI weiter
Aus dieser Geschichte folgt für mich nicht, dass Gemini schlecht oder künstliche Intelligenz nutzlos wäre.
Ich benutze KI selbst für verschiedene Dinge und finde vieles daran ausgesprochen praktisch. Nur habe ich inzwischen gelernt, zwischen „Die KI hat mir eine Antwort gegeben“ und „Die Antwort stimmt“ noch einen kleinen Kontrollschritt einzubauen.
Gerade bei Fakten, Daten oder Dingen, die mir wichtig sind, prüfe ich lieber noch einmal nach.
Das kostet manchmal etwas Zeit. Andererseits hätte ich ohne diese Kontrolle im Januar vermutlich vor Pokémon Go gesessen und mich gefragt, warum der Vollmond nicht zu Geminis Terminplanung erschienen ist.
Die Technik darf mir also weiterhin helfen.
Das letzte Wort behält vorerst trotzdem der Mensch vor dem Bildschirm.
Zumindest solange, bis eine KI zuverlässig weiß, dass „nächster Vollmond“ nicht „irgendein Vollmond, an den ich mich gerade erinnere“ bedeutet.
Foto: Canva-Pro / Beitragsbild-Layout: Canva-Pro und Norbert Beck