Während meiner Reha hatte ich einen freien Samstag.
Also wollte ich raus.
Nicht weit weg, nichts Großes. Einfach mal einen Tag woanders verbringen und etwas sehen, das ich noch nicht kannte.
Meine Wahl fiel auf Köln.
Das klang erst einmal vernünftig.
Dom, Rhein, Altstadt, ein bisschen herumlaufen, etwas essen und abends wieder zurück.
Ein normaler Landgang.
Zumindest in der Theorie.
Köln hatte an diesem Tag andere Pläne
Der 9. November 2024 war vielleicht nicht der beste Tag für meinen ersten richtigen Köln-Besuch.
Zwei Tage später begann die Karnevalssession.
Der 1. FC Köln hatte ein Heimspiel.
Und in der Innenstadt liefen bereits Vorbereitungen für die Weihnachtsmärkte.
Entsprechend voll war es.
Schon die Anreise war nicht unbedingt das, was ich unter einem entspannten Tagesausflug verstehe. In den Zügen wurde es eng, mein Rücken meldete sich und irgendwann war ich froh, überhaupt angekommen zu sein.
Aber gut.
Ich war in Köln.
Jetzt wollte ich Köln sehen.
Und dann stand da dieser Dom
Wenn man aus dem Kölner Hauptbahnhof kommt, muss man nicht lange nach dem Dom suchen.
Er steht einfach da.
Groß.
Dunkel.
Massiv.
Und mein erster Gedanke war nicht:
Was für ein beeindruckendes Meisterwerk.
Mein erster Gedanke war:
Mein Gott, ist das Ding finster.
Ich weiß, dass der Kölner Dom für viele Menschen zu den beeindruckendsten Bauwerken überhaupt gehört.
Für mich wirkte er an diesem Tag eher wie die Immobilie eines Menschen, der Mordor verlassen hat, weil ihm die Nachbarschaft dort zu freundlich geworden war.
Natürlich ist das Geschmackssache.
Aber ich kann schlecht behaupten, dass mich dieser erste Anblick begeistert hätte.
Er hat mich beeindruckt.
Das ist etwas anderes.
Köln blieb ziemlich grau
Leider änderte sich mein Eindruck beim Weiterlaufen nicht grundsätzlich.
Vielleicht lag es am November.
Vielleicht an der Menschenmenge.
Vielleicht daran, dass rund um mich herum gebaut, vorbereitet und abgesperrt wurde.
Vielleicht hatte ich auch einfach eine völlig falsche Vorstellung von Köln.
Jedenfalls empfand ich große Teile der Innenstadt an diesem Tag als erstaunlich grau und düster.
Das war nicht dieses bunte, lebensfrohe Köln, das ich aus Erzählungen, Fernsehen oder Karnevalsbildern kannte.
Natürlich waren Menschen unterwegs.
Mehr als genug sogar.
Aber zwischen Bahnhof, Dom, Verkehr, Beton und Baustellen stellte sich bei mir kein Gefühl ein, unbedingt noch Stunden durch die Stadt laufen zu wollen.
Manchmal passiert das.
Man kommt an einen Ort, von dem andere begeistert erzählen, schaut sich um und denkt:
Sehe ich gerade dieselbe Stadt?
Mein Rücken hatte ebenfalls eine Meinung
Dazu kam meine körperliche Situation.
Ich war schließlich nicht zufällig in einer Reha.
Langes Stehen und größere Strecken waren zu diesem Zeitpunkt nicht gerade meine Spezialdisziplin.
Und eine volle Stadt ist deutlich anstrengender, wenn man nicht einfach überall locker durchlaufen kann.
Ich musste also stärker darauf achten, wo ich Pausen machen konnte und wie viel Weg ich mir noch zumuten wollte.
Das hat meinen Eindruck von Köln wahrscheinlich mit beeinflusst.
Das gehört aber genauso zu diesem Tag wie der Dom.
Ein Landgang findet schließlich nicht unter Laborbedingungen statt.
Ich war dort mit dem Körper, den ich an diesem Tag hatte.
Vielleicht war meine Erwartung das Problem
Köln hatte bei mir vorher einen gewissen Bonus.
Eine große Stadt am Rhein.
Eine berühmte Altstadt.
Der Dom.
Brauhäuser.
Geschichte.
Eigentlich genug Zutaten für einen guten Tag.
Vielleicht hatte ich deshalb erwartet, dass mich die Stadt sofort packt.
Tat sie nicht.
Ich lief herum, schaute mir einiges an und wartete ein bisschen darauf, dass der berühmte Köln-Moment noch kommt.
Kam er nicht.
Das heißt nicht, dass es dort nichts zu sehen gibt.
Es heißt nur, dass ich an diesem Tag keine besondere Verbindung zur Stadt gefunden habe.
Auch kulinarisch lief es anders
Eigentlich wollte ich natürlich auch etwas essen.
Wenn man schon in Köln ist, könnte man schließlich irgendetwas typisch Kölsches probieren.
Auch daraus wurde nicht wirklich etwas.
Der Tag war voll, ich war irgendwann müde und mein Rücken hatte zunehmend wenig Interesse an weiteren Experimenten.
Später landete ich wieder in Remagen.
Dort gab es am Bahnhof eine warme Bockwurst.
Und ich sage es ungern, aber diese Bockwurst gehört zu den Dingen, an die ich mich von diesem Tag ziemlich deutlich erinnere.
Nicht unbedingt das Ergebnis, das ich vor der Abfahrt erwartet hatte.
Muss ich Köln noch einmal sehen?
Nach diesem ersten Besuch war meine Antwort ziemlich eindeutig:
Nicht unbedingt.
Der Dom war mir zu düster.
Die Innenstadt wirkte auf mich grau.
Die Menschenmengen nervten mich.
Und insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, dort möglichst schnell wieder hinzumüssen.
Aber ich weiß auch, dass ich an einem ziemlich speziellen Samstag dort war.
November.
Fußball.
Karnevalsvorbereitung.
Weihnachtsmarktaufbau.
Dazu meine eigene körperliche Situation während der Reha.
Vielleicht bekommt Köln irgendwann noch eine zweite Chance.
Nicht weil ich diesen ersten Eindruck nachträglich schönreden möchte.
Der war so, wie er war.
Finster.
Grau.
Anstrengend.
Und für mich ziemlich enttäuschend.
Aber ein Landgang ist eben keine endgültige Stadtbewertung.
Es ist ein Tag.
Und an diesem Tag war Köln für mich tatsächlich ein bisschen Mordor am Rhein.
Nur mit besserer Zuganbindung.
Und am Ende einer ziemlich guten Bockwurst in Remagen.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meinen persönlichen Eindruck von einem Besuch in Köln am 9. November 2024 während meiner Reha. Er wurde im August 2026 redaktionell überarbeitet. Es handelt sich nicht um eine allgemeine Bewertung der Stadt.
Foto: Norbert Beck / Beitragsbild-Layout: Canva-Pro und Norbert Beck