Warum „The Biggest Loser“ nichts für mich ist

„Mach doch mal bei The Biggest Loser mit. Du rockst das.“

Den Vorschlag habe ich tatsächlich schon bekommen.

Meine Antwort war kurz:

Nein.

Dabei könnte man auf den ersten Blick meinen, dass die Sendung für jemanden wie mich geradezu gemacht ist. Ich beschäftige mich selbst mit meinem Gewicht, versuche meine Ernährung zu verändern, bewege mich wieder mehr und weiß ziemlich genau, dass noch ein langer Weg vor mir liegt.

Nur möchte ich diesen Weg nicht in einer Fernsehsendung gehen.

Ich habe von The Biggest Loser nie jede Folge gesehen. Was ich davon gesehen und über das Konzept erfahren habe, reicht mir allerdings. Für mich liegt das Problem schon darin, dass aus dem Abnehmen ein Wettbewerb wird.

Teams treten gegeneinander an, es gibt Challenges und am Ende der Woche die Waage. Wer besser abnimmt, verschafft seinem Team Vorteile; Kandidaten können ausscheiden. Genau dieser Wettkampf ist ein wesentlicher Teil des Formats.

Ich möchte aber nicht gegen einen anderen Menschen abnehmen.

Eigentlich möchte ich nicht einmal gegen meine Waage kämpfen.

Ich brauche keinen Sieger

Natürlich kann es beeindruckend aussehen, wenn jemand innerhalb relativ kurzer Zeit sehr viel Gewicht verliert. Gerade bei Menschen mit sehr hohem Ausgangsgewicht können anfangs auch größere Veränderungen auftreten.

Aber was hilft mir ein sensationelles Ergebnis auf einer Waage, wenn ich die dafür nötigen Veränderungen anschließend nicht in meinem normalen Leben unterbringen kann?

Genau das beschäftigt mich bei solchen Formaten mehr als die Frage, wer am Ende die meisten Kilos verloren hat.

Ich trainiere selbst mit einer Trainerin. Dabei geht es nicht darum, mich bei jeder Einheit bis an irgendeine spektakuläre Grenze zu bringen. Übungen werden angepasst, Belastungen gesteigert und wenn mein Körper irgendwo deutlich protestiert, muss darauf reagiert werden.

Das sieht im Fernsehen vermutlich weniger aufregend aus.

Mir gefällt es trotzdem besser.

Ich möchte Fortschritte merken. Ich möchte mich wieder besser bewegen können. Und natürlich möchte ich Gewicht verlieren.

Aber ich muss dafür niemanden schlagen.

Die Sache mit der großen Abnahme

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Untersuchung ehemaliger Teilnehmer der amerikanischen Ausgabe von The Biggest Loser.

2016 wurden 14 Teilnehmer einer früheren Staffel sechs Jahre nach dem Wettbewerb erneut untersucht. Am Ende der damaligen 30-wöchigen Sendung hatten sie durchschnittlich gut 58 Kilogramm verloren. Sechs Jahre später waren im Durchschnitt rund 41 Kilogramm davon wieder hinzugekommen. Gleichzeitig zeigte die Untersuchung eine anhaltende Anpassung des Ruheenergieverbrauchs.

Das bedeutet nicht, dass die Fernsehsendung bewiesen hätte, dass schnelles Abnehmen zwangsläufig zu einer starken Gewichtszunahme führt. Dafür ist eine Untersuchung mit 14 Menschen viel zu klein, und die Studie beantwortet diese Frage so auch nicht.

Sie zeigt mir aber etwas anderes:

Eine gewaltige Abnahme ist nicht automatisch das Ende der Geschichte.

Der interessante Teil beginnt möglicherweise erst danach.

Wie lebt jemand ein Jahr später? Nach fünf Jahren? Wie verändert sich der Alltag? Welche Gewohnheiten bleiben? Wie geht man damit um, wenn das Gewicht wieder steigt?

Das lässt sich wesentlich schlechter in eine große Finalshow packen.

Ich kenne die andere Seite

Vielleicht störe ich mich an dem Konzept auch deshalb so sehr, weil ich große Gewichtsverluste selbst kenne.

Vor ungefähr zehn Jahren habe ich schon einmal sehr viel abgenommen. Damals funktionierte eine ganze Menge ziemlich gut.

Und irgendwann eben nicht mehr.

Heute stehe ich wieder da und arbeite erneut an meinem Gewicht, meiner Ernährung und meiner Bewegung.

Damit bin ich selbst ein ziemlich gutes Beispiel dafür, warum mich vorher-nachher-Bilder allein nicht mehr sonderlich beeindrucken.

Das „Nachher“ hält nämlich nicht automatisch bis ans Lebensende.

Diesmal versuche ich deshalb, vieles anders anzugehen. Mit Training, das zu meinem aktuellen Zustand passt. Mit Essen, das ich auch im normalen Alltag zubereiten kann. Und mit Veränderungen, bei denen nicht jede Woche die Frage gestellt wird, wie viele Kilogramm ich gegenüber jemand anderem verloren habe.

Für gewöhnliche Programme zur Gewichtsabnahme nennt beispielsweise das amerikanische NIDDK etwa ein bis zwei Pfund – ungefähr ein halbes bis knapp ein Kilogramm – pro Woche als sinnvolles kurzfristiges Ziel. Entscheidend seien erreichbare Ziele und Veränderungen, die langfristig durchgehalten werden können.

Das klingt nicht besonders fernsehtauglich.

„Diese Woche ein halbes Kilo, und außerdem komme ich die Treppe etwas besser hoch“ dürfte als dramatischer Höhepunkt einer Primetime-Show eher schwierig zu verkaufen sein.

Für mich kann genau das ein Erfolg sein.

Abnehmen ist für mich keine Gameshow

Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, Menschen beim Abnehmen zu begleiten und darüber zu berichten.

Im Gegenteil.

Ich fände es sogar interessant, Menschen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Nicht nur während der großen Abnahme, sondern auch danach. Mit Rückschlägen, Stillstand, gesundheitlichen Problemen und der Frage, wie sich ein verändertes Leben im normalen Alltag überhaupt bewährt.

Nur brauche ich daraus keinen Wettbewerb.

Ich möchte keinen Kandidaten sehen, der schlechter ist als der andere. Ich brauche niemanden, der nach einer Woche enttäuscht auf einer Waage steht, weil die Zahl nicht groß genug ausgefallen ist.

Und ich brauche erst recht keine Motivation daraus, dass jemand anderes ausscheidet.

Vielleicht werde ich irgendwann wieder deutlich weniger wiegen.

Das ist zumindest der Plan.

Aber wenn ich es schaffe, möchte ich hinterher nicht sagen können, dass ich The Biggest Loser gewonnen habe.

Mir reicht völlig, wenn ich meinen eigenen Alltag wieder ein Stück besser hinbekomme.

Dafür gibt es weder Preisgeld noch Konfetti.

Damit kann ich leben.

Bild: sat1/BiggestLoser/ Layout: canva Pro/Norbert Beck

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