Es gibt Sachen, die will man eigentlich gar nicht machen. Ein Tagebuch darüber zu führen, wie der eigene Stuhlgang aussieht, gehört für mich ziemlich eindeutig dazu. Wer betrachtet schon freiwillig und regelmäßig, was da gerade in der Keramik gelandet ist?
Trotzdem sollte ich genau das für die nächsten zweieinhalb Wochen tun. Zusätzlich zu einem Ernährungstagebuch durfte ich also notieren, was oben hineinging und was irgendwann unten wieder herauskam. Ein Kreislauf des Lebens, über den Disney erstaunlich wenige Filme gemacht hat.
Der Grund dafür war allerdings weniger lustig. Mein Verdauungssystem veranstaltete zu dieser Zeit sein ganz eigenes Programm. Mal war alles normal, dann wieder flüssig und beim nächsten Mal so hart, dass man sich fragte, ob mein Darm inzwischen Baustoffe produziert. Dazu kam mein Oberbauch, der sich immer wieder stark aufblähte und dabei ziemlich schmerzhaft werden konnte.
Plötzlich schaut man doch genauer hin
So unangenehm es ist: Wenn man Beschwerden dokumentieren soll, kommt man irgendwann nicht mehr darum herum, genauer hinzusehen. Dafür gibt es sogar ein ziemlich nüchternes Hilfsmittel: die Bristol-Stuhlformen-Skala. Sie unterteilt die Form und Konsistenz des Stuhls in sieben Typen und kann dabei helfen, Veränderungen verständlicher zu beschreiben.
Viel mehr Diagnose sollte man aus einem einzelnen Blick in die Toilettenschüssel allerdings nicht ableiten. Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung können bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen vorkommen. Selbst ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung sagt allein noch nicht, was dahintersteckt.
Es gibt natürlich Veränderungen, bei denen man nicht lange herumrätseln sollte. Sichtbares Blut im Stuhl oder schwarzer, teerartiger Stuhl können beispielsweise Hinweise auf eine Blutung sein und gehören medizinisch abgeklärt. Auch länger anhaltende oder deutlich veränderte Beschwerden sollte man nicht einfach mit einer selbst gestellten Diagnose aus dem Internet abhaken.
Genau deshalb führte ich dieses Tagebuch. Nicht, um nach zweieinhalb Wochen zum international anerkannten Experten für meine eigenen Hinterlassenschaften aufzusteigen, sondern um überhaupt einmal festzuhalten, was wann passiert.
Das eigentliche Problem war nicht die Toilette
Das Belastende an der ganzen Sache war nämlich nicht das Aufschreiben. Irgendwann gewöhnt man sich vermutlich sogar daran, seinem Stuhlgang mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als einem lieb ist.
Viel schlimmer war die Unberechenbarkeit.
Mal normal, mal flüssig, dann wieder steinhart. Dazu der schmerzhafte und aufgeblähte Oberbauch und ständig dieses Gefühl, möglicherweise wieder zur Toilette zu müssen. Irgendwann traut man sich kaum noch etwas. Man überlegt nicht mehr nur, wohin man möchte, sondern automatisch auch, wo die nächste Toilette sein könnte und ob man es rechtzeitig dorthin schafft.
Das schränkt das Leben irgendwann ziemlich ein.
Und genau darum wollte ich wissen, was dahintersteckt. Ob am Ende etwas vergleichsweise Harmloses herauskommt oder eine Erkrankung, die behandelt werden muss, lässt sich nicht aus Form, Farbe oder Geruch allein herauslesen. Ein Reizdarmsyndrom zum Beispiel kann mit Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung einhergehen und den Alltag erheblich belasten – ähnliche Beschwerden können aber auch andere Ursachen haben.
Also hieß es für mich erst einmal: beobachten und aufschreiben.
Essen notieren. Beschwerden notieren. Toilettengänge notieren. Und irgendwann vermutlich Zusammenhänge erkennen, die mir vorher nicht aufgefallen waren.
Es gibt angenehmere Tagebücher.
Mein Vater hätte an dieser Stelle vermutlich wieder seinen alten Spruch ausgepackt. Gelblich-breiiger Stuhl von Kindern sei schließlich Kinderkacke und werde in Senftuben abgefüllt. Er konnte Senf nie besonders viel abgewinnen.
Und damit wären wir wieder beim Titel.
Wenn man zweieinhalb Wochen lang täglich Form, Farbe und Konsistenz seiner Hinterlassenschaften dokumentiert, bekommt „The 50 Shades of Brown“ plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung.
Leider keine besonders erotische.
Quellen
Für die medizinischen Hintergrundinformationen: NICE zur Bristol-Stuhlformen-Skala und zur Beschreibung von Stuhlveränderungen sowie Gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de zu Verdauungsbeschwerden und auffälligen Stuhlveränderungen.
Foto: Norbert Beck und canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck