Nein ist auch eine Antwort

Liebe Medien, liebe Werbetreibende – wir sollten mal reden.

Oder vielleicht reicht es auch, wenn ihr einfach kurz zuhört.

Vor ungefähr zehn Jahren, während meiner ersten großen Abnehmphase, bin ich ziemlich offen mit Presseanfragen umgegangen. Einiges davon ist noch heute im Archiv zu finden.

Im Rückblick würde ich nicht mehr alles genauso machen.

Ich habe erlebt, dass aus einer Geschichte schnell eine größere Geschichte gemacht wird. Dass Zuspitzungen interessanter sind als Zwischentöne. Und ich habe auch erlebt, dass man sich hinterher in einem Beitrag nicht unbedingt so wiedererkennt, wie man sich selbst im Gespräch beschrieben hat.

Das muss nicht bei jedem Journalisten so sein.

Es reicht aber, wenn man solche Erfahrungen ein paarmal macht, um vorsichtiger zu werden.

Ich muss nicht überall mitmachen

Das Gleiche gilt inzwischen für Werbe- und Produktanfragen.

Ja, ich esse gern.

Ja, Ernährung, Gewicht und Gesundheit spielen auf diesem Blog eine Rolle.

Das macht mich aber noch lange nicht zum geeigneten Testesser für jedes neue Produkt, das gerade auf den Markt kommt.

Nur weil etwas als „gesund“, „bio“, „proteinreich“ oder besonders praktisch beworben wird, heißt das nicht automatisch, dass es zu mir passt.

Ich habe gesundheitlich genug eigene Baustellen, um nicht ausgerechnet aus Langeweile Zutatenlisten fremder Fertiggerichte zu studieren.

Und ehrlich gesagt möchte ich das auch gar nicht.

Ich koche lieber selbst

Nach Feierabend etwas Gemüse schneiden, eine Pfanne auf den Herd stellen und selbst etwas kochen – das ist für mich kein lästiger Umweg.

Im Gegenteil.

Ich komme dabei runter.

Nach einem stressigen Arbeitstag hilft es mir, etwas mit den Händen zu machen, statt nur den nächsten Deckel aufzureißen und ein Glas in die Mikrowelle zu stellen.

Dazu kommt: Schnelles Kochen muss nicht kompliziert sein.

Ich brauche dafür keine zwanzig Zutaten und keinen halben Abend.

Einfach, frisch, schnell und so, dass es für mich passt.

Damit fahre ich derzeit besser.

Kostenlos ist nicht automatisch interessant

Natürlich verstehe ich die andere Seite.

Wer ein neues Produkt auf den Markt bringt, möchte Aufmerksamkeit. Und wenn irgendwo jemand über Ernährung, Abnehmen oder Gesundheit schreibt, liegt die Idee nahe, dort einmal anzufragen.

Kann man machen.

Nur sollte man auch mit einem Nein leben können.

Ich muss nicht jedes Produkt testen.

Ich muss nicht jede Anfrage annehmen.

Und ich muss auch nicht zehn Nachrichten lang erklären, warum etwas nicht zu mir passt.

Ein Nein ist keine Einladung zur nächsten Überzeugungsrunde.

Auch bei Medien bin ich vorsichtiger geworden

Das bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich keine Gespräche mehr mit Journalisten führen möchte.

Aber ich schaue inzwischen genauer hin.

Was ist das Thema?

Was soll aus dem Gespräch werden?

Passt das überhaupt zu dem, was ich selbst erzählen möchte?

Und habe ich das Gefühl, dass mein Anteil an der Geschichte am Ende auch noch als meiner erkennbar ist?

Wenn nicht, lasse ich es.

Das ist keine große Medienkritik und auch kein beleidigtes „Dann eben nicht“.

Es ist einfach eine Grenze.

Nicht jede Chance ist eine Chance

Früher hätte ich manche Anfrage wahrscheinlich schneller als Gelegenheit gesehen.

Heute frage ich mich eher, ob sie überhaupt etwas mit meinem Leben zu tun hat.

Wenn nicht, bringt mir auch ein kostenloses Produkt nichts.

Dann steht am Ende nur noch mehr Zeug herum, ich habe Zeit investiert und irgendjemand erwartet dafür vielleicht einen Bericht.

Darauf kann ich verzichten.

Dasselbe gilt für Themen, bei denen ich mich hinterher verbiegen müsste, damit sie irgendwie interessant genug für einen Artikel oder eine Schlagzeile wirken.

Ich muss nicht überall stattfinden.

Und nicht alles, was von außen wie eine Chance aussieht, ist für mich auch eine.

Manchmal ist die beste Antwort deshalb ziemlich kurz.

Nein.

Foto: canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck

[rsnippet id=“1″ name=“Beitragsfooter“]

Schreibe einen Kommentar