Der Tag war ziemlich vollgepackt mit Untersuchungen. Danach saß ich noch einmal ungefähr eine Dreiviertelstunde da und bekam erklärt, was bei mir alles auffällig war, was möglicherweise zusammenhing und wo noch weiter gesucht werden musste.
Da war etwas mit Fett, etwas mit Reizungen, der Verdacht auf Unverträglichkeiten, Stoffwechsel, Entzündungen, Blutwerte und irgendwo im Hintergrund noch ein paar Fragezeichen.
Eigentlich wusste ich einiges davon schon. Zumindest in groben Zügen. Andere Dinge hatte ich geahnt.
Trotzdem war es ein Schock, das alles einmal so gesammelt serviert zu bekommen.
Mit jedem weiteren Punkt wartete ich irgendwann darauf, dass der Mediziner mir erklärt, ich sei eigentlich schon seit einigen Jahren klinisch tot und nur noch nicht darüber informiert worden.
Der Satz kam nicht.
Stattdessen sagte er:
„Das bekommen wir alles wieder hin. Sie brauchen nur Geduld.“
Geduld.
Ausgerechnet.
Ausdauer ja. Geduld eher schwierig.
Auch wenn man es mir derzeit nicht unbedingt ansieht: Ich komme ursprünglich aus dem Ausdauersport.
Ausdauer kann ich.
Geduld ist eine andere Geschichte.
Vor zehn Jahren lief vieles bei meiner Gewichtsabnahme erstaunlich glatt. Gewicht runter, Bewegung rauf, Fortschritte sichtbar. Diesmal scheint die Sache komplizierter zu sein.
Vor allem habe ich inzwischen mehrere Baustellen, bei denen es offenbar nicht reicht, einfach nur weniger zu essen und mehr zu laufen.
Meine Magen-Darm-Probleme beschäftigen mich schon länger. Dazu kommen Schmerzen und andere Beschwerden, bei denen noch geklärt werden muss, woher sie eigentlich kommen.
Und dann saß ich da und bekam meine Hausaufgaben.
Gesund ist nicht automatisch für jeden dasselbe
Eine Sache fand ich dabei besonders interessant.
Ich hatte lange ziemlich klare Vorstellungen davon, was gesundes Essen ist. Viel Gemüse, Ballaststoffe, wenig Zucker, vernünftige Zutaten. Klingt erst einmal logisch.
Nur bekam ich nun erklärt, dass ich bei meiner damaligen Situation genauer hinschauen sollte.
Nicht jedes Lebensmittel, das allgemein als gesund gilt, musste automatisch gut zu meinen aktuellen Beschwerden passen. Manche Dinge sollte ich eine Zeit lang reduzieren oder anders kombinieren, andere gezielter einsetzen.
Für mich hieß das erst einmal: lernen.
Fisch und Geflügel wurden mir eher empfohlen, Rind und Schwein sollte ich zunächst reduzieren. Bei Milchprodukten sollte ich genauer auf Menge und Verarbeitung achten. Beim Brot ging es darum, Alternativen auszuprobieren, die für mich besser funktionieren könnten.
Auch beim Obst sollte ich nicht einfach alles unter „gesund“ abhaken, sondern beobachten, was mir bekommt.
Das Ganze war kein Freifahrtschein für irgendeine neue Wunderdiät.
Eher eine ziemlich lange Liste mit Dingen, auf die ich achten sollte.
Dann fiel das Wort Hafertage
Damit hatte ich nicht gerechnet.
Hafertage.
Ich kannte Hafer natürlich. Müsli, Haferflocken, Porridge. Alles kein Problem.
Aber mehrere Tage Hafer morgens, mittags und abends?
Das klang zunächst ungefähr so verlockend wie drei Tage freiwillige Steuerprüfung.
Mir wurden solche Hafertage als Teil meines damaligen Ernährungsplans empfohlen. Mit Wasser oder Brühe, je nach Mahlzeit mit etwas Obst, Gewürzen oder Gemüse ergänzt.
Einmal im Monat sollte ich das zunächst ausprobieren.
Ich nahm die Information zur Kenntnis.
Begeisterung sieht anders aus.
Kaffee geht. Aber schwarz.
Auch beim Trinken wurde es übersichtlich.
Wasser. Tee. Kaffee.
Letzterer möglichst ohne Milch und Zucker.
Ich war ohnehin nie der große Kaffeetrinker. Eine Tasse morgens reicht mir meistens völlig. Mit Milch mochte ich ihn ganz gern, schwarz war er mir oft zu bitter.
Also hieß die nächste kleine Aufgabe: eine Röstung finden, die mir auch ohne Milch schmeckt.
Es gibt größere Probleme.
Essen mit Uhr
Neu war für mich auch die Idee, die Mahlzeiten wieder regelmäßiger zu verteilen.
Keine ständigen Kleinigkeiten zwischendurch, nicht hier ein Joghurt, dort ein Apfel, später noch ein Stück Kuchen, sondern klarere Mahlzeiten mit längeren Pausen dazwischen.
Wenn ich damit zurechtkomme, könne ich später eventuell auch ausprobieren, die Essenszeiten noch stärker zu bündeln.
Für mich war allerdings schon der erste Schritt groß genug:
überhaupt wieder Struktur hineinbringen.
Nicht mittags irgendwann zwischen zwölf und drei essen, je nachdem, wann gerade Zeit ist.
Sondern meinem Körper wenigstens halbwegs verlässliche Zeiten geben.
Und natürlich: Bewegung
Überraschend war dieser Punkt nicht.
Mehr Bewegung.
Dabei ging es nicht nur um irgendeine Zahl auf einer Uhr, sondern darum, Bewegung wieder regelmäßig in meinen Alltag zu bringen und nach Möglichkeit auch Phasen einzubauen, in denen ich etwas intensiver unterwegs bin.
Unmachbar klang das alles nicht.
Das Problem war eher mein Kopf.
Wenn man etwas verändert, möchte man möglichst sofort merken, dass es funktioniert. Heute angefangen, morgen besser.
So läuft es offenbar nicht.
Die Beschwerden sind nicht über Nacht entstanden. Also werden sie wahrscheinlich auch nicht über Nacht verschwinden.
Da sind wir wieder bei diesem schrecklichen Wort:
Geduld.
Eine weitere Baustelle im Kiefer
Als wäre die Liste noch nicht lang genug, musste auch ein älteres Kieferproblem endlich angegangen werden.
Nach einer Zahnbehandlung hatte sich zwei Jahre zuvor mein Gesicht vorübergehend stark geschwollen. Seitdem bekam ich an der damaligen Stelle immer wieder Schmerzen.
Auch das sollte nun fachärztlich abgeklärt werden. Im Raum stand die Frage, ob dort noch eine Entzündung sitzen könnte.
Also der nächste Termin.
Ich hoffe nur, dass „Termin“ diesmal nicht automatisch „irgendwann im nächsten geologischen Zeitalter“ bedeutet.
Und dann wäre da noch der Brokkoli
Beim Gemüse habe ich grundsätzlich wenig Probleme.
Ich esse vieles gern und probiere auch gern Neues aus.
Aber eine Grenze bleibt.
Brokkoli.
Nein.
Ich habe mir das Zeug oft genug angesehen.
Das sieht aus wie ein Baum, der bei der Qualitätskontrolle durchgefallen ist.
Man kann mir viel über Ernährung erklären. Man kann mir Hafer morgens, mittags und abends empfehlen. Man kann mir schwarzen Kaffee hinstellen und längere Essenspausen verordnen.
Aber Brokkoli esse ich trotzdem nicht.
Irgendwo muss der Mensch schließlich Haltung zeigen.
Ein ziemlich großer Stapel Hausaufgaben
Nach diesem Tag war klar, dass einiges auf mich zukommt.
Unterlagen durcharbeiten. Herausfinden, welche Lebensmittel mir gerade guttun und welche weniger. Mehr Struktur beim Essen. Bewegung. Weitere Untersuchungen. Das Kieferproblem klären.
Dazu sollte Unterstützung bei der Ernährung organisiert werden.
Das war eine ganze Menge auf einmal.
Aber zum ersten Mal hatte ich zumindest das Gefühl, nicht einfach nur auf einzelne Beschwerden zu reagieren, sondern genauer hinzuschauen.
Ob das alles funktioniert, wusste ich an diesem Tag noch nicht.
Der Satz des Mediziners hing mir trotzdem im Kopf:
„Das bekommen wir alles wieder hin.“
Dann kam der schwierige Teil.
Ich musste nur Geduld haben.
Foto: canva PRO und canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck