Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom 9. Februar 2022 und wurde für den Relaunch 2026 redaktionell überarbeitet.
Shangri-La ist ein erfundener Ort. Ein abgeschiedenes Tal irgendwo im Himalaya, an dem Frieden, Ruhe und ein beinahe vollkommenes Leben herrschen sollen.
So weit wollte ich gar nicht.
Mir hätte damals schon gereicht, morgens aufzuwachen und nicht das Gefühl zu haben, die Nacht über mit einem Bagger gerungen zu haben.
Ich hatte Schlafprobleme. Nicht unbedingt nur beim Einschlafen. Ich musste nachts öfter aus dem Bett, lag schlecht und fühlte mich morgens trotz mehrerer Stunden Schlaf häufig ziemlich gerädert. Nach dem Mittag kam dann regelmäßig ein Tief, bei dem ich mich vermutlich nur irgendwo hätte hinlegen müssen, um sofort einzuschlafen.
Irgendwann stellte sich deshalb weniger die Frage, ob ich länger schlafen sollte, sondern was ich an meinen Nächten überhaupt verändern konnte.
Das Bett war schon mal ein Anfang
Als Erstes schaute ich mir meine Schlafgelegenheit an.
Meine Matratze war ziemlich betagt, ursprünglich gar nicht für mich gekauft worden und für mein damaliges Gewicht deutlich zu weich. Eine passende Matratze zu finden, war allerdings leichter gesagt als getan. Gerade bei einem höheren Körpergewicht wird die Auswahl schnell kleiner und die Preise dafür gerne größer.
Aber das Bett war nur ein Teil der Geschichte.
Viel chaotischer war eigentlich, wie ich überhaupt schlafen ging.
Mal lag ich um 22 Uhr im Bett, mal um 23 Uhr, manchmal deutlich nach Mitternacht. Irgendwann fing ich deshalb an, wenigstens ein halbwegs festes Zeitfenster einzuhalten. Meistens ging es zwischen 22 und 23 Uhr ins Bett.
Auch der Weg dorthin bekam plötzlich eine gewisse Ordnung.
Noch einmal zur Toilette. Zähne putzen. Sachen für den nächsten Tag vorbereiten. Falls nötig Waschmaschine oder Spülmaschine fertig machen. Das Essen für die Arbeit bereitstellen.
Und dann war Schluss.
Keine große Wissenschaft.
Nur nicht mehr aus irgendeiner Tätigkeit heraus direkt ins Bett poltern und erwarten, dass der Kopf fünf Minuten später freiwillig Feierabend macht.
Vor über 20 Jahren fand ich das noch albern
Im Bett rieb ich damals manchmal meine schmerzenden oder belasteten Stellen mit einem pflanzlichen Balsam ein. Nicht weil ich darin irgendeine Wunderwirkung sah. Es fühlte sich einfach angenehm an und gehörte irgendwann zu diesem Übergang vom Tag zur Nacht.
Danach las ich etwas.
Oder ich hörte ruhige Musik.
Mit solchen Entspannungssachen hatte ich schon während meiner Ausbildung zu tun gehabt. Das war mehr als 20 Jahre vorher. Im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung sollten wir verschiedene Entspannungstechniken kennenlernen.
Unsere Begeisterung hielt sich damals in überschaubaren Grenzen.
Bei entsprechender Musik wurde eher gekichert als meditiert. Wenn jemand von uns damals tatsächlich innere Ruhe gefunden hat, hat er sie zumindest sehr gut verborgen.
2022 sah die Sache plötzlich anders aus.
Vielleicht muss man für manche Dinge einfach den richtigen Zeitpunkt erwischen.
Eine Stunde Musik, von der ich meistens nur die Hälfte hörte
Ich hörte gerne ruhige Musik mit fernöstlichen Einflüssen. Die Playlist lief ungefähr eine Stunde. Ich legte mich auf den Rücken, schloss die Augen und versuchte, den Kopf nicht weiter mit dem Tag zu beschäftigen.
Das funktionierte natürlich nicht auf Knopfdruck.
Gedanken verschwinden nicht deshalb, weil man ihnen freundlich mitteilt, dass jetzt Feierabend ist. Aber irgendwann wurden sie leiser. Und manchmal entstanden stattdessen irgendwelche Landschaften vor meinem inneren Auge.
Von der Stunde Musik bekam ich meistens gar nicht alles mit.
Nach zwanzig oder dreißig Minuten war ich oft eingeschlafen.
Für jemanden, der solche Entspannungsübungen früher eher belächelt hatte, war das eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung.
Es ging mir morgens besser
Was ich damals vor allem bemerkte: Morgens fühlte ich mich deutlich erholter. Auch dieses regelmäßige tiefe Loch am Nachmittag trat nicht mehr so auf wie vorher.
Ob dafür eine einzelne Veränderung verantwortlich war, konnte ich natürlich nicht sagen. Ich hatte mehrere Dinge gleichzeitig verändert: geregeltere Zeiten, einen ruhigeren Übergang in die Nacht, eine andere Matratze und die Musik zum Einschlafen.
Ich wusste nur, dass es mir damit besser ging.
Und genau das reichte mir.
Vielleicht hatte ich mein Shangri-La nicht gefunden.
Aber immerhin hatte ich aufgehört, jeden Abend vollkommen unvorbereitet hineinzustolpern und mich morgens darüber zu wundern, warum die Nacht schon wieder wenig erholsam gewesen war.
Manchmal ist der Weg zur inneren Ruhe offenbar erstaunlich unspektakulär.
Zähne putzen. Sachen für morgen hinstellen. Licht aus. Musik an.
Und mit etwas Glück hört man das Ende der Playlist schon gar nicht mehr.
Foto: canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck
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