Wegen einer Plastikschale auf den Müll

Heute ist nach vielen Jahren wieder ein Dampfgarer bei mir eingezogen. Kein großes Markengerät, sondern ein eher schlichtes No-Name-Modell. Und ausgerechnet das hat weniger mit Geiz zu tun, als man vielleicht denken könnte.

Ich hatte nämlich schon einmal einen Dampfgarer. Ein Markengerät, ordentlich verarbeitet und grundsätzlich ziemlich gut. Für vieles bekam man sogar Ersatzteile. Eine Dampfdüse? Kein Problem. Zubehör für Kräuter und Aromen? Ebenfalls. Auch manches aus dem Innenleben ließ sich ersetzen.

Nur ausgerechnet das Teil, das bei mir tatsächlich kaputtging, gab es nicht.

Die Kunststoffschalen.

Darin kommt das Gargut. Gemüse, Fisch, Geflügel oder meinetwegen auch Socken – was man mit seinem Dampfgarer anstellt, bleibt jedem selbst überlassen. Bei mir waren es meistens Lebensmittel.

Diese Schalen wurden bei jedem Einsatz heiß, kühlten wieder ab und wanderten anschließend zur Reinigung. Jahrelang. Irgendwann wurde der Kunststoff spröde.

Das Ergebnis war eine Art kulinarischer Hochhausabriss.

Anfangs hatte mein Dampfgarer vier Etagen. Dann waren es noch drei. Irgendwann zwei. Am Ende blieb eine letzte Schale übrig, die auch schon einen Riss hatte.

Der Rest des Geräts funktionierte weiterhin.

Das half nur wenig.

Ersatzteile gibt es – nur nicht die richtigen

Genau das hat mich damals geärgert. Es war ja nicht so, dass der Hersteller grundsätzlich keine Ersatzteile angeboten hätte. Im Gegenteil. Ich konnte Dinge nachkaufen, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass man sie einzeln bestellen kann.

Nur die Schalen nicht.

Damit war irgendwann ein funktionierendes Elektrogerät praktisch wertlos, weil ein relativ simples Kunststoffteil seinen Dienst quittiert hatte.

Natürlich hätte ich einen neuen Dampfgarer mit Metallschalen kaufen können. Die wären vermutlich deutlich langlebiger gewesen. Die entsprechenden Geräte, die ich gefunden hatte, lagen preislich allerdings in einer Gegend, in der ich mich fragte, ob dort nur Gemüse gedämpft wird oder ob das Ding nebenbei noch die Küche renoviert.

Also blieb es dabei: alter Dampfgarer raus.

Obwohl er eigentlich noch funktionierte.

Eigentlich repariere ich lieber

Das ärgert mich gerade deshalb, weil ich bei anderen Geräten durchaus versuche, sie am Leben zu halten.

Mein Mixer bekam schon neue Klingen. Bei meiner Küchenmaschine habe ich Teile ersetzt und sie damit wieder zum Laufen gebracht. Wenn etwas kaputtgeht und sich mit überschaubarem Aufwand reparieren lässt, finde ich das wesentlich angenehmer, als sofort das komplette Gerät zu entsorgen.

Beim Dampfgarer hatte ich diese Möglichkeit nicht.

Und genau deshalb steht jetzt ein günstiges No-Name-Gerät in meiner Küche.

Nicht, weil ich überzeugt bin, dass billig automatisch besser ist. Sondern weil ich inzwischen ziemlich nüchtern damit rechne, dass irgendwann wieder nicht die Elektronik, die Heizung oder irgendein kompliziertes Bauteil den Geist aufgibt.

Sondern eine Plastikschale.

Vielleicht hält dieses Gerät zwei Jahre. Vielleicht fünf. Vielleicht überrascht es mich auch und überlebt mich noch.

Ich hoffe es.

Aber es fühlt sich schon etwas merkwürdig an, ein neues Gerät zu kaufen und dabei im Hinterkopf zu haben, dass sein Lebensende vermutlich nicht von einem großen technischen Defekt bestimmt wird.

Sondern von einem Stück Kunststoff, das irgendwann spröde wird und sich nicht ersetzen lässt.

Hightech ist manchmal erstaunlich simpel.

Foto: canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck

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