Dass ich gerne schreibe, habe ich irgendwann schon in der Schule festgestellt.
Im Deutschunterricht auf dem Gymnasium beschäftigten wir uns mit aktuellen Nachrichten und sollten als Hausaufgabe etwas zu einem der Themen schreiben. Damals war gerade die Amigo-Affäre bei der CSU aktuell. Mir fiel ein alter Spruch von Dieter Hallervorden ein: Politiker müsse man behandeln wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier?
Man haut sie in die Pfanne.
Damit war der Anfang gefunden. Heraus kam eine Glosse, bei der ein guter Teil meiner Klasse ziemlich viel Spaß hatte.
Uh. Der Junge kann ja schreiben.
Ein paar Jahre später gab es irgendwann meinen Blog. Und der brauchte natürlich nicht nur Beiträge, sondern auch einen Spruch darüber.
Ein Blog, mehrere Leben
Einer meiner ersten Slogans war:
„Ich bin schlank, man sieht es nur noch nicht.“
Den mag ich bis heute. Er ist kurz, ein bisschen bescheuert und erklärt gleichzeitig ziemlich gut, was damals ein großes Thema meines Blogs war.
Später kam meine „Spirit of the Hawk“-Phase. Und nachdem ich nach dem Tod meiner Mutter wieder mit dem Schreiben angefangen hatte, entstand ein anderer Satz:
„Alles ist gut, solange du laufen kannst.“
Auch den finde ich noch immer gut.
Nur irgendwann passen selbst gute Sätze nicht mehr ganz.
Mit meiner neuen Hausärztin war ich 2024 gerade dabei, einige Dinge in meinem Leben neu anzugehen. Gesundheit, Gewicht, Bewegung – wieder einmal standen Veränderungen an.
Und natürlich dachte ich sofort:
Dazu brauche ich einen neuen Slogan.
Andere Menschen würden vermutlich erst einmal anfangen, etwas zu verändern. Ich musste vorher offenbar noch die Werbeabteilung informieren.
Goethe hatte es vermutlich leichter
Also setzte ich mich mit meinem kleinen 10-Zoll-Laptop auf die Couch und dachte, ich mache es einfach wie früher.
Ein bisschen überlegen, einmal kräftig am Gehirn schütteln und irgendwann fällt der Satz heraus.
Tat er nicht.
Stattdessen musste ich ständig an Rudi Carrell denken:
„Goethe war gut, Mann, der konnte reimen …“
Das half überhaupt nicht.
Also begann ich, irgendwelche Sätze in mein Notepad zu schreiben.
Zum Beispiel:
„Die Waage ist der Schlüssel. Gewicht gut, Gesundheit gut, alles gut!“
Irgendwo zwischen Mr. Miyagi und Badezimmerphilosophie.
Oder:
„Man kann eine Waage verklagen. Das wird sie aber nicht davon abhalten, das Gewicht anzuzeigen.“
Auch brauchbar.
Nur eben nicht als Motto für einen ganzen Blog.
Solche Sätze landen bei mir normalerweise auf einer großen Halde verquerer Zitate. Irgendwann kann man sie vielleicht gebrauchen. Für den neuen großen Spruch halfen sie mir allerdings nicht weiter.
Dann soll es eben die KI richten
Wenn mein eigenes Gehirn nichts Vernünftiges produziert, gibt es inzwischen schließlich technische Unterstützung.
Also fütterte ich eine KI mit meinen bisherigen Slogans, erklärte ihr meinen damaligen Stand und bat um Ideen.
Was konnte schon schiefgehen?
Unter anderem bekam ich:
„Wunderspritzen versagt, Humor bleibt: Die finale Runde“
„Im Kampf gegen die Kilos: Episode VI – Die Rückkehr des Läufers“
„Endgame: Der ultimative Showdown gegen die Pfunde“
und
„Letzter Versuch: Schlank sein oder wenigstens darüber lachen“
Ich sag mal so: Den neuen Slogan hatte ich danach noch immer nicht.
Dafür wusste ich ziemlich genau, welche Richtung ich nicht wollte.
Mir waren die Vorschläge zu groß, zu endgültig und zu sehr auf Gewicht reduziert. Alles klang nach letzter Chance, finalem Kampf und großem Showdown.
Dabei wusste ich aus meiner eigenen Geschichte eigentlich längst, dass diese angeblich endgültigen Neustarts selten besonders endgültig sind.
„Diesmal aber wirklich“ hätte wahrscheinlich ebenfalls hervorragend in die Liste gepasst.
Vielleicht findet der Satz mich
Irgendwann gab ich die Suche für diesen Abend auf.
Ein guter Slogan lässt sich offenbar nicht zuverlässig bestellen. Nicht beim eigenen Gehirn und auch nicht bei einer KI.
Vielleicht funktioniert es eher andersherum.
Vielleicht findet der richtige Satz irgendwann mich.
Vermutlich während einer längeren Autofahrt, wenn ich nichts aufschreiben kann. Oder auf dem Klo. Kreativität besitzt schließlich keinerlei Würde.
Und wenn ich mich später noch daran erinnere, könnte er tatsächlich gut sein.
Bis dahin bleibt es eben beim Schreiben.
Die Headline kann warten.
Nachtrag 2026
Der neue Satz hat mich tatsächlich gefunden.
Nicht bei einer dramatischen Eingebung und glücklicherweise auch nicht mit „finalem Showdown gegen die Pfunde“.
Heute steht über dem Landpiraten:
„Mit 50 ist noch lange nicht Schluss.“
Rückblickend bin ich ganz froh, dass keiner der KI-Vorschläge gewonnen hat.
Beitragsbild: DALLE-3 / Beitragsbild-Layout: Norbert Beck