Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom 21. September 2022 und wurde für den Relaunch 2026 redaktionell überarbeitet.
Ich war schon länger nicht mehr auf der Waage gewesen.
Meine persönliche Hosenbund-Messmethode sagte mir: Da hat sich nicht viel getan. Also wird das schon stimmen.
Dann kam mir die Idee, mir nach meiner T-Rex-2-Uhr noch ein weiteres Spielzeug desselben Herstellers zuzulegen: eine Waage, die das Gewicht automatisch per Bluetooth und WLAN in die App überträgt.
Das hatte einen durchaus praktischen Grund. Wenn ich mich bisher gewogen hatte, vergaß ich gerne mal, den Wert hinterher einzutragen. Besonders dramatisch war das nicht, denn mein Gewicht bewegte sich über längere Zeit ohnehin meistens nur ein paar Kilo hin und her.
Also bestellte ich die Waage.
Oder besser gesagt: Ich versuchte es.
Zehn Tage warten und dann Himbeeren kaufen
Ich wollte das Gerät damals bewusst vor Ort kaufen. Also suchte ich einen Händler, reservierte die Waage und wartete.
Und wartete.
Die Online-Lieferzeit sollte zwei oder drei Tage betragen. Nach zehn Tagen war noch immer nichts da.
Irgendwann hatte ich genug und sagte die Bestellung ab.
Im Nachhinein war das ziemlich praktisch.
Kurz darauf wollte ich beim Discounter eigentlich nur Himbeeren für mein Mittagessen kaufen. An der Kasse stand eine Packung, die verdächtig nach einer Waage aussah.
Noch verdächtiger: Auf der Packung war das Logo meines Uhrenherstellers.
25 Euro.
Nachdenken wurde vorübergehend eingestellt.
Das Ding lag auf dem Kassenband.
Erst einmal Panik wegen 150 Kilo
Auf dem Weg zur Arbeit las ich mir die Rückseite der Verpackung genauer durch.
Zwischen den technischen Angaben stand irgendwo eine Zahl mit 150 Kilogramm.
Das sorgte bei mir für leichte Unruhe.
Online hatte ich etwas von 180 Kilogramm maximaler Belastung gelesen. Bei meinem damaligen Gewicht war das kein unwichtiges Detail.
Beim Einrichten musste ich ohnehin einmal auf die Waage.
Und dann wurde es merkwürdig.
Sie zeigte weniger als 150 Kilo an.
Deutlich weniger.
Meine Sorge wegen der Belastungsgrenze war damit zwar erledigt, dafür hatte ich jetzt ein neues Problem:
Ich glaubte der Waage nicht.
23,7 Kilo weniger
Nach der Einrichtung stellte ich mich noch einmal ordentlich darauf.
23,7 Kilo weniger als bei meiner letzten dokumentierten Messung Ende April.
Das konnte doch nicht stimmen.
Also holte ich meine alte Waage wieder aus dem Regal.
Noch einmal drauf.
Bis auf ungefähr 300 Gramm zeigte sie denselben Wert.
Die neue Waage war also offenbar nicht kaputt.
Ich war tatsächlich fast 24 Kilo leichter.
Wenn ich noch Shirt, Socken und Boxer ausgezogen hätte, hätte ich die 24 vermutlich sogar vollgemacht. Aber irgendwann muss es mit der wissenschaftlichen Genauigkeit auch mal gut sein.
Offenbar hatte ich etwas nicht mitbekommen
Das Überraschende war weniger, dass ich Gewicht verloren hatte.
Ich wusste ja, dass ich meine Ernährung verändert hatte. Ich hatte deutlich weniger Zucker gegessen, häufiger selbst gekocht und insgesamt einiges anders gemacht als noch Monate vorher.
Was mich überraschte, war die Größenordnung.
Fast 24 Kilo in ungefähr fünf Monaten.
Und ich hatte es kaum bemerkt.
Natürlich hatte sich der Hosenbund verändert. Aber offenbar nicht deutlich genug, um bei mir einen Alarm auszulösen.
Rückblickend gab es andere Hinweise.
Bewegung fiel mir zunehmend leichter. Meine geplanten 6.000 bis 8.000 Schritte am Tag bekam ich inzwischen meistens recht problemlos zusammen. Selbst mit meinen immer wiederkehrenden Rückenproblemen merkte ich, dass Wege weniger anstrengend wurden.
Und beim Gehen passierte immer häufiger etwas, das ich eine ganze Weile kaum noch gemacht hatte.
Ich fiel ins Laufen.
Nicht schnell.
Wirklich nicht.
Aber ich lief.
Bei den Blutzuckerwerten musste ich trotzdem aufpassen
Ganz geradlinig verlief die Sache damals nicht.
Meine Blutzuckerwerte lagen zeitweise niedriger als ich es gewohnt war und ich musste sie im Blick behalten. Gerade bei Diabetes und einer bestehenden medikamentösen Behandlung ist so etwas nichts, was man einfach nebenbei ignorieren sollte.
Damals sah ich vieles noch stärker unter dem Gesichtspunkt: Ernährung geändert, Gewicht geht runter, Werte werden besser.
Heute würde ich etwas vorsichtiger damit umgehen, daraus schnelle Schlussfolgerungen zu ziehen.
Ich kann sagen, was bei mir damals passiert ist.
Ich kann aber nicht sicher sagen, welcher einzelne Faktor welchen Anteil daran hatte.
Die Zahl war gar nicht das Interessanteste
Natürlich habe ich mich über die fast 24 Kilo gefreut.
Sehr sogar.
Aber eigentlich war etwas anderes wichtiger.
Ich bewegte mich wieder mehr.
Ich schaffte meine Schritte leichter.
Und manchmal, wenn ich unterwegs war und plötzlich ein paar Meter lief, tauchte wieder dieses Bild im Kopf auf:
Eine Startnummer.
Noch nicht morgen.
Vielleicht auch nicht in absehbarer Zeit.
Aber der Gedanke war wieder da.
Die neue Waage hatte mir also nicht wirklich 24 Kilo geschenkt.
Sie hatte mir nur gezeigt, was in den Monaten davor passiert war, ohne dass ich es richtig bemerkt hatte.
Und offenbar hatte sich nicht nur die Zahl verändert.
Die 24 Kilo hatte ich fast übersehen.
Dass Bewegung wieder leichter wurde, eigentlich nicht.
Foto: Norbert Beck und canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck