Dinner for Sophie – 2,8 Kilometer mit der Kalten Sophie

Die Eisheiligen waren wieder da. Und als hätte der Mai noch nicht deutlich genug gemacht, dass kurze Hosen vielleicht etwas voreilig aus dem Schrank geholt wurden, stand auch die Kalte Sophie vor der Tür.

Das Wetter passte jedenfalls zum Namen. Kühl, grau und nass. Nicht gerade die Bedingungen, bei denen man morgens aus dem Fenster schaut und denkt: Genau dafür habe ich Schuhe.

Trotzdem machte ich mich auf den Weg zur Knaus-Hallig-Runde. Zwei Runden hatte ich mir vorgenommen, insgesamt 2,8 Kilometer. Gehen, nicht laufen. Im Moment geht es mir nicht darum, irgendwelche Rekorde aufzustellen. Ich will mich bewegen und dabei möglichst vermeiden, dass Sehnen und Knochen anschließend eine schriftliche Beschwerde einreichen.

Also los.

Die ersten Meter funktionierten auch wunderbar. Zumindest so lange, bis dieser Regen einsetzte, der eigentlich kaum als Regen durchgeht. Fisselregen. Man spürt ihn fast nicht, aber innerhalb kürzester Zeit ist trotzdem alles nass.

Vor allem die Brille.

Und wieder stellte sich mir eine der wirklich wichtigen technischen Fragen unserer Zeit: Warum gibt es eigentlich keine Scheibenwischer für Brillen?

Noch bevor ich die ersten 500 Meter hinter mir hatte, bestand meine Aussicht jedenfalls hauptsächlich aus Wassertropfen. Ich hätte die Brille abnehmen können, dann hätte ich allerdings ebenfalls nichts gesehen. Manchmal bietet das Leben erstaunlich vielfältige Auswahlmöglichkeiten.

Früher mochte ich Regen sogar

Unterwegs fiel mir auf, dass sich nicht nur mein Körper verändert hat. Auch meine Einstellung zum Wetter ist offenbar eine andere geworden.

Früher, während meiner ersten Läuferzeit, mochte ich Regen tatsächlich. Der Pollenflug war weniger lästig, die Luft fühlte sich für mich angenehmer an und irgendwann war sowieso alles nass. Ob Schweiß oder Regen spielte dann auch keine große Rolle mehr.

Heute sehe ich das etwas nüchterner.

Regen ist nass.

Und wenn es gleichzeitig kalt ist, ist er zusätzlich kalt.

Vielleicht gehört auch das zum Älterwerden: Manche Dinge brauchen irgendwann keine romantische Verklärung mehr. Ich muss einen verregneten Spaziergang nicht zum Naturerlebnis erklären, nur weil ich freiwillig vor die Tür gegangen bin.

Trotzdem lief meine Runde weiter.

Interessanterweise war ich dabei nahezu allein. Die sonst üblichen Hunde samt dazugehöriger Menschen waren kaum zu sehen. Offenbar hatte ein erheblicher Teil der örtlichen Bevölkerung die Wetterlage betrachtet und eine vollkommen vernünftige Entscheidung getroffen.

Ich gehörte nicht dazu.

2,8 Kilometer reichen dann auch

Gegen Ende wurde aus dem Fisselregen richtiger Regen. Meine Mesh-Jacke hatte ihren Widerstand inzwischen weitgehend aufgegeben und ich wurde immer nasser.

Die zwei Runden bekam ich trotzdem zusammen. 2,8 Kilometer.

Das klingt nicht nach großer sportlicher Leistung und soll es auch gar nicht. Es waren schlicht 2,8 Kilometer Bewegung an einem Tag, an dem das Sofa die deutlich überzeugenderen Argumente hatte. Im Moment zählt für mich ohnehin weniger, wie beeindruckend eine Strecke auf dem Papier aussieht. Wichtiger ist, dass ich überhaupt rausgehe und etwas mache.

Danach war allerdings Schluss.

Ich verzog mich ins Auto und beschloss, dass weitere Aktivitäten an diesem Tag besser unter einem Dach stattfinden sollten. Also ging es noch in den Supermarkt. Frisée, Gurke und Tomaten mussten schließlich ebenfalls irgendwie ihren Weg zu mir finden.

Damit war mein Bewegungsprogramm für diesen Tag beendet.

Kein großes Erfolgserlebnis, keine überwundene Grenze und schon gar keine Heldengeschichte. Ich bin bei miesem Wetter losgegangen, habe meine zwei Runden gemacht und war anschließend nass.

Mehr ist eigentlich nicht passiert.

Aber manchmal sind genau diese unspektakulären Tage der eigentliche Alltag auf meinem Weg. Nicht jeder Spaziergang verändert das Leben. Manche sorgen lediglich dafür, dass man 2,8 Kilometer mehr auf der Uhr hat und anschließend ziemlich genau weiß, warum man Regen früher besser fand.

Und die Kalte Sophie?

Die durfte draußen bleiben.

Bildinformationen:
Foto
: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro

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