50 Mal scheitern auf hohem Niveau

Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom 14. Februar 2022 und wurde für den Relaunch 2026 redaktionell überarbeitet.

Ja, ich gebe es zu: Ich schaue ganz gerne Kitchen Impossible.

Wobei ich vermutlich ein ziemlich unangenehmer Gast für die dort auftretenden Köche wäre. Selbst wenn mir jemand ein großartiges Essen vorsetzt, würde ich wahrscheinlich noch irgendwo sitzen und überlegen, ob da nicht ein Hauch mehr Säure, ein anderes Gewürz oder irgendetwas Knuspriges ganz nett gewesen wäre.

Mein semiprofessioneller Dilettantismus kennt da wenig Grenzen.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich die Sendung mag.

Profis beim gepflegten Scheitern

Das Prinzip von Kitchen Impossible ist eigentlich ziemlich simpel. Zwei Köche schicken sich gegenseitig irgendwohin, stellen dem anderen eine schwarze Box mit einem Gericht hin und überlassen ihn anschließend seinem Schicksal.

Kein Rezept. Keine Zutatenliste. Anschauen, riechen, schmecken und dann irgendwie herausfinden, was da eigentlich auf dem Teller liegt und wie man es nachkochen könnte.

Das Schöne daran ist nicht, dass am Ende immer perfektes Essen herauskommt.

Ganz im Gegenteil.

Ein großer Teil des Vergnügens besteht darin, Menschen zuzusehen, die normalerweise ziemlich genau wissen, was sie in einer Küche machen, und die plötzlich genauso ratlos vor einem Topf stehen können wie der Rest von uns.

Nur eben auf deutlich höherem Niveau.

In der Ausgabe vom 13. Februar 2022 trat Tim Mälzer gegen Haya Molcho an. Rund um die Sendung wurde damals das Jubiläum von Mälzers 50. Auftritt beziehungsweise seiner 50. Ausgabe gefeiert. Verschiedene Episodenzählungen kamen dabei auf andere Nummern, weil Specials und Sendungen ohne Mälzer unterschiedlich mitgerechnet wurden.

Meine damalige Empörung darüber, dass „die Presse nicht zählen kann“, war deshalb etwas vorschnell.

Kommt vor.

Auch bei semiprofessionellen Dilettanten.

Schnecken gegen Rauchzeichen

Haya Molcho bekam unter anderem Schnecken vorgesetzt und löste ihre Aufgabe ziemlich beeindruckend.

Tim Mälzer tat währenddessen das, was Tim Mälzer in solchen Situationen gerne macht: kämpfen, fluchen, improvisieren und zwischendurch dafür sorgen, dass eine Küche ungefähr so aussieht, als hätte dort gerade die freiwillige Feuerwehr eine Übung abgebrochen.

Genau davon lebt die Sendung.

Natürlich können die Beteiligten kochen. Sehr gut sogar. Interessant wird es aber dann, wenn dieses Wissen nicht reicht und improvisiert werden muss.

Das kann ich nachvollziehen.

Wenn mir beim Kochen eine Zitrone fehlt, passiert bei mir schließlich auch nicht automatisch ein Küchenstillstand. Dann kommt eben Apfelessig ins Dressing und anschließend wird behauptet, das sei selbstverständlich von Anfang an so geplant gewesen.

Man muss nur überzeugend genug gucken.

Raue Schale, weicher Kern

Mälzers große Klappe gehört dabei genauso zur Sendung wie die schwarze Box.

Da wird gepöbelt, gestichelt und vorher schon einmal erklärt, warum der andere vermutlich sowieso keine Chance hat. Am Ende merkt man aber meistens ziemlich deutlich, dass sich die Leute gegenseitig respektieren.

Haya Molcho brachte es damals schön auf den Punkt: raue Schale, weicher Kern.

Und vielleicht funktioniert Kitchen Impossible genau deshalb so gut. Die Sendung tut nicht so, als seien Spitzenköche irgendwelche unfehlbaren Küchenmaschinen. Man sieht Menschen, die etwas sehr gut können und trotzdem danebenliegen, Zutaten falsch einschätzen oder irgendwann vor einem Gericht stehen und nicht den leisesten Schimmer haben, was sie jetzt damit anfangen sollen.

Das beruhigt mich.

Wenn selbst Tim Mälzer gelegentlich eine Küche verqualmen kann, darf bei mir auch mal etwas etwas dunkler werden als geplant.

Eine Herausforderung lehne ich trotzdem ab

Haya Molcho gewann dieses Duell am Ende verdient. Und Tim Mälzer hatte damit seine Jubiläumsausgabe überstanden, ohne dass die Welt der Gastronomie untergegangen wäre.

Von mir aus dürfen es noch viele weitere Ausgaben sein.

Eine Einladung zu Kitchen Impossible würde ich allerdings vorsichtshalber ablehnen.

Nicht aus Angst vor den Gerichten.

Es gäbe nur eine Disziplin, in der ich Tim Mälzer ernsthaft Konkurrenz machen könnte:

Dilettantismus.

Und ich bin mir nicht sicher, ob er gegen mich eine Chance hätte.

Foto: Werbebild von RTL mittels ChatGPT nachbearbeitet im Comic-Stil / Layout des Beitragsbildes: canva PRO u. Norbert Beck

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