Der Bäcker hatte Urlaub – und ich war trotzdem unterwegs

Manchmal kann man einen Tag noch so schön planen. Der Tag hat trotzdem seine eigenen Vorstellungen.

Eigentlich wollte ich gegen halb acht aufstehen. Irgendwann zwischen halb neun und neun wollte ich auf meinem Heimweg beim Bäcker vorbeischauen und frische Brötchen holen. Das wäre sogar ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit gewesen. Früher bin ich sonntagmorgens häufiger dort vorbeigekommen, manchmal noch vor der Ladenöffnung direkt an der Backstube. Man kannte sich eben.

Die Realität sah etwas anders aus.

Gegen halb sechs musste ich noch einmal zur Toilette. Danach dachte ich: Eine Stunde kannst du noch schlafen. Als ich wieder auf die Uhr sah, war es zwanzig vor zehn.

Damit hatten sich sowohl mein geplanter Morgenrundgang als auch die frischen Brötchen erst einmal erledigt.

Immerhin regnete es. Eine hervorragende Ausrede. Muss bei anderen schließlich auch immer herhalten.

Also gab es zum Frühstück zwei Scheiben von meinem selbstgebackenen Brot, Ei, etwas Brombeerkonfitüre und Kaffee. Danach meine Tabletten und anschließend das aufregende Sonntagsprogramm eines Mannes, der offensichtlich beschlossen hatte, das neue Jahr mit Höchstleistungen zu beginnen: Küche aufräumen. Drei Ladungen Spülmaschine und zwei ausgeputzte Fächer später hatte der Tag wenigstens schon einmal einen gewissen Nutzwert.

Dann kam doch noch die Sonne

Am Nachmittag änderte sich das Wetter. Die Sonne kam heraus.

Also umziehen und raus.

Aus dem ausgefallenen Morgenrundgang wurde eben ein Nachmittagsrundgang. Am Ende war ich knapp zwei Stunden unterwegs und hatte rund 6.800 Schritte gesammelt.

Die Zahl war schön. Interessanter war für mich allerdings etwas anderes.

Ich brauchte die Sitzgelegenheiten unterwegs nicht mehr so dringend wie früher.

Natürlich waren sie noch da und natürlich setzte ich mich auch hin. Aber dieses Gefühl, von Bank zu Bank planen zu müssen, war nicht mehr so stark. Das fiel mir während des Laufens irgendwann einfach auf.

Solche Veränderungen sind mir inzwischen fast lieber als irgendeine Zahl auf einer Waage. Man merkt plötzlich bei einer ganz normalen Sache, dass etwas wieder ein bisschen besser funktioniert.

Am Brunnen sorgte dann noch eine Katze für Unterhaltung. Offenbar hatte sie beschlossen, mich etwas genauer zu beobachten. Am Ende hatte sie ihre Bank und ich meine. Wobei sie mich weiterhin sehr genau im Blick behielt.

Vielleicht wollte sie nur sichergehen, dass ich ihre Bank nicht auch noch beanspruche.

Als ich schließlich wieder zu Hause war, wusste ich zumindest, dass der verschlafene Morgen gar nicht so schlimm gewesen war. Aus dem geplanten Spaziergang waren trotzdem fast zwei Stunden geworden.

Und noch etwas stellte sich heraus: Selbst wenn ich morgens wie geplant losgegangen wäre, hätte ich keine frischen Brötchen bekommen.

Der Bäcker hatte Urlaub.

Manchmal erledigt sich die Frage, ob der eigene Tagesplan funktioniert hat, eben ganz von allein.

Foto: Norbert Beck / Layout: canva PRO und Norbert Beck

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