Laufen im Höllental – diesmal bis zur Grube Gustav

Dieser Beitrag stammt ursprünglich vom 22. Mai 2022 und wurde für den Relaunch 2026 redaktionell überarbeitet.

Ich werde kein Trailläufer.

Nie im Leben.

Ganz bestimmt nicht.

Das hatte ich allerdings auch schon über das Laufen an sich gesagt. Inzwischen schleiche ich trotzdem regelmäßig mit Laufschuhen durch die Gegend. Meine Glaubwürdigkeit bei solchen Ankündigungen ist also überschaubar.

Diesmal hatte es mich ins Höllental verschlagen. Ein kleines Tal am Meißner, durchzogen von der Berka und mit einem Weg, an den ich aus meiner früheren Läuferzeit nicht unbedingt nur romantische Erinnerungen hatte.

Beim ersten Versuch vor vielen Jahren stand ich anschließend am Auto und diskutierte ziemlich energisch mit meinem inneren Schweinehund darüber, ob wir das noch einmal machen würden.

Die Diskussion endete mit einem deutlichen:

„Halt doch die Schnauze.“

Dummerweise kam genau in diesem Moment ein Wanderer vorbei.

Der sah mich an, als müsste er sich eigentlich dafür entschuldigen, obwohl er gar nichts gesagt hatte.

Manche Wege verändern sich. Manchmal verändert man sich selbst.

Etwa zehn Jahre später stand ich wieder dort.

Mein Gewicht war ungefähr in derselben Größenordnung wie damals. Also viel zu hoch. Trotzdem hatte sich offenbar etwas verändert.

Das war mir schon einen Tag vorher aufgefallen.

2011 hatte ich versucht, über den Eselssteig zur Burg Ludwigstein zu kommen. Damals war irgendwann Schluss gewesen. Zu steil, zu anstrengend, umgedreht.

Jetzt war ich wieder dort gewesen.

Und diesmal kam ich oben an.

Wobei ich beim Rückweg feststellte, dass „hoch“ nicht unbedingt das größte Problem dieses Weges ist. Runter war stellenweise so steil, dass ich mir kurz gewünscht hätte, mein Auto hieße KITT und könnte selbstständig einen anderen Parkplatz ansteuern.

Tat es leider nicht.

Also musste ich selbst wieder runter.

Und am nächsten Tag stand ich nun im Höllental.

Diesmal wollte ich bis zur Grube Gustav

Bei meinen früheren Versuchen hatte ich die Grube Gustav auf diesem Weg nie erreicht.

Einmal hatten umgestürzte Bäume den Weg blockiert. Bei einem späteren Besuch war ebenfalls irgendwann Schluss gewesen.

Diesmal wollte ich wissen, ob ich endlich durchkomme.

Der Weg ist kein breiter Wanderboulevard. Teilweise passen zwei Menschen kaum bequem nebeneinander, an einigen Stellen hat sich der Rand zur Berka hin verabschiedet und gelegentlich muss man schon genauer hinsehen, wo der eigentliche Weg weitergeht.

Genau das machte ihn interessant.

Weniger interessant fand ich die Straße Richtung Frankershausen, die zwar ein gutes Stück entfernt verläuft, deren Geräusche aber trotzdem durchs Tal schallen.

Besonders wenn Motorradfahrer unterwegs sind.

Die kurvige Strecke scheint ziemlich beliebt zu sein. Wenn eine größere Gruppe vorbeifuhr, war es mit der stillen Waldatmosphäre erst einmal vorbei.

Dann knatterte das Höllental.

Der Rücken hielt sich raus

Was mich an diesem Tag besonders freute: Mein Rücken und die Hüfte verhielten sich erstaunlich ruhig.

Wochenlang hatten beide immer wieder dafür gesorgt, dass Bewegung unangenehm wurde oder ganz ausfiel. Jetzt war da höchstens noch gelegentlich ein Ziehen.

Ich nahm das gerne zur Kenntnis.

Mehr auch nicht.

Zu oft hatte ich inzwischen erlebt, dass der Rücken am nächsten Tag wieder andere Pläne haben konnte.

Der Weg selbst war ohnehin abwechslungsreich genug. Mal ging es ein Stück hoch, dann wieder runter. Nichts Dramatisches, aber über die Strecke summiert sich so etwas.

Und langsam musste ich mir eingestehen:

Das hatte stellenweise schon ziemlich viel von einem Trail.

Aber ich bin kein Trailläufer.

Nur damit das klar ist.

Der Wald sah nicht besonders glücklich aus

Der Zustand des Waldes fiel mir ebenfalls auf.

Gerade bei den Nadelbäumen sah vieles damals ziemlich mitgenommen aus. Dazu lagen immer wieder Spuren vergangener Stürme im Gelände.

Immerhin waren die Wege diesmal frei.

Teilweise hatte man umgestürzte Bäume beseitigt oder wenigstens so freigeschnitten, dass man durchkam.

Weniger gut sah es bei den Sitzgelegenheiten aus.

Von den Bänken, an die ich mich erinnerte, waren einige verschwunden. Eine andere sah eher so aus, als würde sie demnächst selbst Teil des Waldbodens werden.

Aber ich wollte ohnehin laufen.

Also weiter.

Und plötzlich stand ich an der Grube Gustav

Bis auf eine Radfahrerin und einen Vater mit Kind begegnete mir kaum jemand.

Dann war sie tatsächlich da.

Die Grube Gustav.

Zum ersten Mal hatte ich den Weg vollständig geschafft.

Natürlich hätte ich mich jetzt ins Gasthaus setzen und diesen historischen Moment angemessen mit Essen feiern können.

Stattdessen schaute ich mir erst einmal die Umgebung an.

Dabei fiel mir der alte Hasentisch auf, ein in einer kleinen Senke liegender Steintisch, den ich vorher nie richtig wahrgenommen hatte. Auch rund um das ehemalige Bergwerk gab es immer wieder Kleinigkeiten, an denen ich bisher offenbar einfach vorbeigelaufen war.

Vielleicht war ich früher zu sehr damit beschäftigt gewesen, überhaupt irgendwo anzukommen.

Diesmal hatte ich mehr Zeit zum Gucken.

Ein paar Kühe auf einer Weide bekamen ebenfalls noch meine Aufmerksamkeit.

Dann drehte ich um.

Das Höllental wollte noch Blut

Ein Problem hatte ich allerdings doch.

Nicht mit dem Rücken.

Nicht mit den Füßen.

Mit den Mücken.

Ich war in kurzen Sachen unterwegs und offenbar hatte sich herumgesprochen, dass heute Buffet eröffnet war.

Meine Unterschenkel wurden jedenfalls sehr beliebt.

Notiz an mich selbst: Wald und kurze Hose sind nicht immer die beste Kombination.

Nach einer energischen Abwehraktion hatte ich zwar wieder Ruhe, sah am Bein aber auch so aus, als hätte der Wald deutlich mehr Gegenwehr geleistet als tatsächlich passiert war.

Natürlich kam genau in diesem Moment die Radfahrerin wieder vorbei.

Manchmal stimmt einfach das Timing.

Kein Trailläufer. Wirklich nicht.

Zurück am Ausgangspunkt dachte ich nicht mehr darüber nach, ob ich diesen Weg noch einmal laufen wollte.

Stattdessen überlegte ich bereits, wo es beim nächsten Mal weitergehen könnte.

Unterhalb der Grube Gustav führt ein Weg Richtung Frankershausen. Dort kommt man an einem alten Steinbruch vorbei.

Den kenne ich noch nicht.

Das wäre doch eigentlich mal interessant.

Aber nur zur Klarstellung:

Ich bin kein Trailläufer.

Und ich werde auch keiner.

Versprochen.

Fotos: Norbert Beck / Beitragsbildlayout: canva PRO und Norbert Beck

Schreibe einen Kommentar