Es gibt Dinge, über die möchte ich eigentlich gar nichts wissen. Und trotzdem weiß ich sie. Nicht, weil ich heimlich irgendwelche Klatschblätter lese, sondern weil man manchen Themen kaum noch entkommen kann.
Anfang 2023 war das besonders deutlich. Ein Ex-Prinz veröffentlichte seine Memoiren, erzählte darin mehr oder weniger freiwillig Dinge aus seinem Privatleben und plötzlich schien ein nicht unerheblicher Teil der Medienlandschaft beschlossen zu haben, dass nun wirklich jeder darüber informiert werden müsse. Ob er wollte oder nicht.
Natürlich kann man sagen: Dann klick doch einfach nicht drauf. Mache ich auch nicht. Das Problem ist nur, dass man irgendwann gar nicht mehr klicken muss. Die Überschrift reicht. Dazu ein Bild, noch eine Pushmeldung, der nächste Beitrag in irgendeiner Timeline und wenig später dieselbe Geschichte noch einmal bei einem anderen Medium.
Irgendwann weiß man dann Dinge, die man nie wissen wollte.
Mich interessiert beispielsweise nicht, wo irgendein Prinz sein erstes sexuelles Erlebnis hatte. Mich interessiert auch nicht, wie gut oder schlecht sich eine royale Familie untereinander versteht. Und ich brauche keine täglichen Wasserstandsmeldungen darüber, wer gerade wem etwas übelnimmt.
Trotzdem war es damals beinahe unmöglich, diesem Thema auszuweichen.
Dabei ging es mir irgendwann gar nicht mehr um Harry, Meghan oder irgendeine Königsfamilie. Die waren nur das besonders sichtbare Beispiel. Das eigentliche Problem war für mich etwas anderes: Aus Nachrichten war zunehmend Dauerbeschallung geworden.
Ein Thema wird entdeckt, bekommt Aufmerksamkeit und anschließend wird es so lange durch sämtliche Kanäle geschoben, bis vermutlich auch der letzte Mensch davon gehört hat. Dann kommt die nächste kleine Wendung, ein neues Zitat, eine Reaktion auf die Reaktion oder irgendein Prominenter, der gefragt wurde, was er davon hält. Und schon dreht sich das Rad noch eine Runde.
Besonders merkwürdig wird es, wenn einem sehr ähnliche Meldungen bei verschiedenen Zeitungen begegnen. Heute taucht eine Geschichte vom Münchner Merkur auf, morgen begegnet einem das Thema beim nächsten Regionalportal und wenig später noch einmal anderswo. Für den Leser entsteht dadurch schnell der Eindruck, überall passiere gerade dasselbe.
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum mich Nachrichten inzwischen schneller ermüden als früher. Es ist nicht unbedingt die Menge dessen, was tatsächlich passiert. Es ist die Zahl der Male, die mir dasselbe Ereignis noch einmal serviert wird.
Und natürlich sind Prominente dafür ideales Material. Ronaldo gratuliert Messi. Ein Sänger erzählt etwas aus seinem Familienleben. Irgendwo fliegt ein Privatjet herum. Jeder einzelne dieser Beiträge mag irgendwo seine Leser haben. Dagegen habe ich überhaupt nichts.
Ich möchte nur nicht automatisch zu diesen Lesern gemacht werden.
Früher hätte ich wahrscheinlich noch versucht, das alles zu ignorieren. Mittlerweile räume ich meine Timelines ziemlich konsequent auf. Anbieter, die mir ständig Inhalte vorsetzen, die mich nicht interessieren, fliegen raus. Bei Freunden nutze ich notfalls die Möglichkeit, ihre Beiträge eine Zeit lang auszublenden. Nicht, weil ich die Menschen plötzlich nicht mehr mag, sondern weil ich nicht jeden Tag alles lesen möchte, was irgendein Algorithmus gerade für unverzichtbar hält.
Das Internet hat uns einmal versprochen, dass wir selbst entscheiden können, was wir lesen.
Manchmal fühlt es sich inzwischen eher so an, als müssten wir ständig entscheiden, was wir nicht lesen wollen.
Und genau das nervt mich.
Nicht Harry. Nicht Meghan. Nicht Ronaldo oder irgendein anderer Prominenter. Die können erzählen, heiraten, streiten, gratulieren und mit ihren Flugzeugen kreuz und quer über den Planeten fliegen.
Ich muss es nur nicht alles wissen.
Meine Aufmerksamkeit ist schließlich auch Lebenszeit. Und die ist mir mittlerweile zu schade, um sie jeden Tag mit Dingen vollzustopfen, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren.
Foto: Canva Pro
Beitragsbild-Layout: Canva Pro und Norbert Beck